AUS REZENSIONEN, PRESSESTIMMEN UND PERSÖNLICHEN KOMMENTAREN


Zur Fritz Bauer Biographie von Irmtrud Wojak

„Er beeinflusste das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit über Verbrechen und Gewaltherrschaft des Dritten Reiches wie kaum ein anderer Jurist der Nachkriegszeit, wurde bewusst oder unbewusst missverstanden, angefeindet, bedroht und beschimpft, ohne in seiner Mission jemals wankend zu werden: Fritz Bauer, promovierter Jurist aus ‚Freiheitssinn‘, Mitbegründer des Republikanischen Richterbundes, Sozialdemokrat, Jude, KZ-Häftling und Emigrant. […] ‚Der Sinn der NS-Prozesse bestand für Fritz Bauer in der Wiederherstellung des Rechts und somit in der Anerkennung des Leids und Martyriums der Opfer der Gewaltherrschaft. Dies konnte nur durch das Aufdecken der Verbrechen geschehen.‘ Irmtrud Wojak hat ein exzellentes Buch über eine der interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte geschrieben.“
Joachim Schmid, Braunschweiger Jahrbuch für Landesgeschichte, Bd. 91/2010.

 

„Und, um es gleich zu sagen, die Autorin ist mit diesem Buch von mehr als 600 Seiten ihrem ‚Helden‘ in vorzüglicher und umfassender Weise gerecht geworden.“
Fritz Endemann, Betrifft JUSTIZ, Nr. 104, Dezember 2010, S. 413-415.

 

„Breite Erinnerung an seine Person und an sein historisches Werk ließe ihm nachträglich wenigstens das erwachsen, was er so vielen anderen erstritten hat: Gerechtigkeit. Möge das Buch sehr viele Leser finden!“
Michael Dallapiazza, PaRDeS. Zeitschrift der Vereinigung für Jüdische Studien e.V., Prata/Urbino.

 

„Das Meiste hatte ich natürlich nicht gewusst und bin nun über 40 Jahre nach meiner Begegnung mit Fritz Bauer in Basel, als er vor voller Aula der Universität sprach, auf besondere Art berührt, so viel über sein Leben und Wirken durch Ihr Buch zu erfahren. Damals war ich ca. 22 Jahre alt und hatte ihn mit einem sehr einfachen Brief zu seinem Vortrag über den Auschwitz Prozess eingeladen. Im Rückblick nach der Lektüre Ihres Buches nicht mehr überraschend, aber damals für mich erstaunlich, wie spontan er zusagte, direkt ansprechbar, ohne irgendwelche Komplizenschaft. [...] Es rührt mich, dass auch Sie von Bauers Dokumentation zur Geschichte des Widerstandsrechts im Laufe der Jahrtausende geprägt wurden. ‚Die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber einem Befehl, der die Menschwürde verletzt.‘ Ich möchte Ihnen herzlich danken für die immense Recherchierarbeit und Aufzeichnung dieser Biographie, mit welcher Sie auch mir persönlich ein Stück meiner Lebensgeschichte wieder wachgerufen haben.“
Thomas Schneyder, Zollikerberg, Schweiz,18. August 2010.

 

„Das größte Manko dieser Biografie ist aber wohl die oft fehlende Distanz der Autorin zum Objekt ihrer Studie. Es ist ein Biografien oft innewohnender Irrtum, Kritik an der untersuchten Person würde deren unbestreitbare Verdienste schmälern. […] In der Emigration urteilte Bauers Freund Fritz Tarnow einmal über diesen, er könne ‚sehr realpolitisch schreiben, aber auch etwas verwirrt radikal-revolutionär reden‘. Es bliebe abzuwarten, ‚wie sich F.B. hier weiter machen wird.“ (166) Diese Frage aus dem Jahr 1943 wäre ein guter Ansatzpunkt für eine etwas kritischere Betrachtung der Person und des Wirkens Fritz Bauers gewesen und letztlich dem Menschen Fritz Bauer gerechter geworden.“
Matthias Meusch, sehepunkte, Ausgabe 10, 2010, Nr. 3.

 

„Die hervorragende Biografie erinnert an einen deutschen Humanisten, für den Recht und Ethik stets zusammengehörten. Ein ‚Partisanenjurist im Lande der Mitläufer‘, der sich als längst Erwachsener kindliche Empfindsamkeit gerettet hatte.“
ck, BUCH DER WOCHE, Sonntags-Zeitung, 6. Dezember 2009.

 

„Auf eine schwer erträgliche Weise allein. „Ein Buch über Fritz Bauer. Eine Habilitationsschrift von 638 Seiten über den Mann, der die Verbrechen der Nazis für juristisch fassbar hielt, der nicht hinnehmen wollte, dass diese Verbrechen im Nachkriegsdeutschland verschwiegen wurden. Eine Biographie, nach zehn Jahren Recherchen geschrieben von Irmtrud Wojak, der Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums München. Es ist ein herausragendes Buch.“
Harald Duin, Braunschweiger Zeitung, 23. November 2009.

 

„Fritz Bauer. Biografie als Denkmal. Vertrieben von Nazis und 1949 nach Deutschland zurückgekehrt, ist es Fritz Bauer zu verdanken, dass sie juristische Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Gang kam und bis zu den Auschwitz-Prozessen geführt werden konnte. […] Die Historikerin Irmtrud Wojak hat ihm mit ihrer grundlegenden, einfühlsamen, streckenweise erschütternden Biografie ein Denkmal gesetzt.“
N.N., Dachauer Nachrichten, 7. November 2009.

 

„Der Arbeit an dieser Studie kam dabei zu Gute, dass Wojak auch schon für die materialreiche Ausstellung über den ersten Auschwitz-Prozess 1963-65 verantwortlich war, die 2004 zunächst in Frankfurt am Main und später in Berlin gezeigt wurde, und deren Konzeption und Realisierung sie übernommen hatte. […] Für Remigranten wie Fritz Bauer musste die weitgehend gescheiterte juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen zum zweiten Exil werden. Sein auf Resozialisierung und Schuldanerkennung setzendes Rechtsverständnis eigenverantwortlicher Individuen, das er nicht durchsetzen konnte, stand solchen aberwitzigen Konstruktionen wie dem ‚unüberwindbaren Verbotsirrtum‘ gegenüber, durch den im Extremfall mit der ideologischen Überzeugung eines NS-Täters dessen Schuldunfähigkeit begründet werden konnte, was verschiedentlich geschah. In seinen letzten Jahren sah sich Bauer daher zunehmend isoliert, obwohl gerade dann auch einzelne jüngere Juristen anfingen, seine Ideen aufzugreifen. In der Rekonstruktion der poltischen Bedingungen und der Debatten der 1950er- und 1960er-Jahre gelingt es der Historikerin anhand der besonderen Erfahrung Bauers, auch das Exemplarische der Remigration nach Deutschland insgesamt zu beleuchten. Dass dabei der mittlerweile häufig eigenartig versöhnte Blick auf die ‚Vergangenheitspolitk‘ (Norbert Frei) der 1950er- und 1960er-Jahre entsprechend zurecht gerückt wird, stellt kein geringes Verdienst dieser ausgezeichneten politischen Biografie dar.“
Hans-Joachim Hahn, literaturkiritk.de, Nr. 10, Oktober 2009.

 

„Wojaks gut recherchierte und belendend geschriebene Biografie ist mehr als nur die Lebensgeschichte eines einzelnen Mannes – sie ist die Biografie einer Epoche nach der Katastrophe.“
Jürgen Zimmerer, Literaturen, September 2009.

 

„An den Maßstäben, die Fritz Bauer setzte, kann ich eine jüngere Juristengeneration orientieren. Die Historikerin Irmtrud Wojak, die am 17. Dez. 2008 zur Gründungsdirektorin des neuen NS-Dokumentationszentrums in München berufen wurde, hat Fritz Bauer mit ihrer grundlegenden, einfühlsamen, streckenweise auch erschütternden Biografie ein Denkmal gesetzt.“
Wolfram Wette, Freiburger Rundbrief, 4 (2009).

 

„In einer packenden Erzählung zeichnet sie das Leben Fritz Bauers nach, dessen Rechtsverständnis seiner Zeit immer ein Stück voraus war. Gekonnt verortet sie Bauers Wirken im historischen Kontext und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Bundesrepublik. Nicht nur Interessierten am Nationalsozialismus und an der bundesdeutschen Vergangenheitspolitik sei diese gut recherchierte Biografie zur Lektüre empfohlen“.
Stephan A. Glienke, Vorgänge, H. 3 (2009), S. 147-149.

 

„Ich bin von Gott und aller Welt verlassen. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963-65 löste die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der ‚Endlösung‘ aus. Fritz Bauer hat die juristische Verfolgung des Massemords in Gang gebracht. Irmtrud Wojak, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München, hat ihm eine grandiose Biografie gewidmet.“
Reinhold Mann, Schwäbische Zeitung, 25. August 2009.

 

"Sehr verehrte Frau Wojak, die Anrede ist altmodisch, ich weiß, aber sie drückt am ehesten die Wertschätzung aus, mit der ich Ihr Buch 'Fritz Bauer - eine Biographie' lese. Durch eine Rezension in der Wochenzeitung 'Die zeit' bin ich darauf aufmerksam geworden und ackere es jetzt durch. Ich kann mir kaum vorstellen, verehrte Frau Wojak, wie Sie die Recherche ausgehalten und dann die Kraft für die ruhige, unerbittliche Darstellung gefunden haben."
Margot Glöckner, Kirchheim, Brief an die Autorin, 14. August 2009.

 

„Am 1.Juli 1968 wird Fritz Bauer tot in der Badewanne aufgefunden. Obwohl die Umstände bis heute ungeklärt sind, beteiligt sich die Autorin nicht an Spekulationen. Die vorliegende Biographie über Fritz Bauer ist ein Standardwerk. Auch wenn es mangels Quellen wenig Persönliches zu berichten gibt, wird das Porträt eines Menschen voll sachlicher Leidenschaft im Dienste der Wahrheit sichtbar. Irmtrud Wojak, die als ehemalige Mitarbeiterin des ‚Fritz Bauer Instituts‘ mit der Materie gut vertraut ist, hat eine detaillierte und kenntnisreiche Arbeit vorgelegt, der viele Leser zu wünschen sind. Das Buch bietet wertvolle Einblicke in die Verfassung der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft mit ihrer Verdrängungsmentalität. Zudem skizziert Wojak einen Fritz Bauer, den es wiederzuentdecken gilt, nämlich als vehementen Verfechter einer Strafrechtsreform, die eine Humansierung des Strafvollzugs antsrebt.“
Andreas Dickerboom, HR-Online, 10. August 2009.

 

“Die ‘Vergangenheitspolitik’ (Norbert Frei) der Bonner Republik ist in den letzten Jahren detailgenau und überzeugend analysiert worden. Immer wieder übertönt worden ist dies jedoch von Stimmen, welche die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik erzählt haben. Demgegenüber erweist sich die Stärke des biografischen Zugriffs, denn wie ist es bestellt um eine Demokratie, die ihre leidenschaftlichsten Verteidiger vor Angriffen nicht schützen kann? […] Irmtrud Wojak hat ein zentrales Kapitel deutscher Zeitgeschichte sorgfältig und umfassend rekonstruiert – ‚das Exemplarische seines von den Katastrophen des 20. Jahrhunderts, von Verfolgung und Widerstand geprägten Lebens, und zugleich das streitbare historisch-politische Erbe, das er hinterlassen hat‘ (S. 26). Ihr gelingt das Porträt eines überzeugten Demokraten und zunehmend einsamen Einzelkämpfers. Das Lebenswerk, aber auch den seelischen Schmerz der Remigranten in diesem Land hat die Biographin Fritz Bauers eindrucksvoll und einfühlsam gewürdigt.“
Claudia Moisel, H-Soz-u-Kult, 9. Juli 2009.

 

“’Wir Emigranten hatten so unsere heiligen Irrtümer’, sagte Bauer im Gespräch mit Gerhard Zwerenz. ‚Daß Deutschland in Trümmern lag, hat auch sein Gutes, dachten wir. Da kommt der Schutt weg, dann bauen wir Städte der Zukunft … Alles sollte ganz neu und großzügig werden. Dann kamen die anderen und sagten: >Aber die Kanalisationsanlagern unter den Trümmern sind doch noch heil!< Na, und so wurden die deutschen Städte wiederaufgebaut, wie die Kanalisation es verlangte.‘ Die Passage zur Kanalisation hat Wojak beim Zitieren weggelassen. Fahnenappell.“
Jens Hoffmann, konkret, 7/2009.

 

„Mit dem Recht gegen das Unrecht. Irmtrud Wojaks große Fritz Bauer-Biographie“ „Dem an diesem fortlebenden offenen Antisemitismus und Antidemokratismus verzweifelnden Fritz Bauer widmet sich Irmtrud Wojak zunächst im Vorwort des Buches und dann wieder in den letzten Abschnitten mit großer Einfühlsamkeit. Die Einsamkeit seiner letzten Tage zu deuten ist jedem Leser dieser gründlich recherchierten und mit großer Empathie geschriebenen Biografie über eine der herausragenden Portalfiguren der deutschen Demokratie nach Ende des Nationalsozialismus selber überlassen. Beglückt jedenfalls legt man das Buch nicht aus der Hand.“
Carl Wilhelm Macke, Neue Gesellschaft. Frankfurter Hefte, Juni 2009.

 

„Irmtrud Wojaks verdienstvolles Buch trägt hoffentlich dazu bei, dass Deutschland für Fritz Bauer nicht länger feindliches Ausland bleibt.“
Hans-Martin Lohmann, DIE ZEIT, 18. Juni 2009, S. 51.

 

"Nie wieder" reicht nicht". Die Gründungsdirektorin des künftigen NS-Dokumentationszentrums hat ein großes Werk über den Nazi-Jäger Fritz Bauer geschrieben"
"Was kann gerade die jüngere Generation heute noch von Fritz Bauer lernen? [I.W.:] Dass es erforderlich ist, sich für die Zukunft mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und dass es nicht reicht, bloß >>Nie wieder<< zu sagen. Sondern dass sich jeder damit beschäftigen sollte, wie er zum Thema Zivilcourage steht. Fritz Bauer hat eine Verbindung gesehen zwischen den NS-Verbrechen und dem Widerstandsrecht."
Michael Grill, Abendzeitung, 3. Juni 2009.

 

„1968 starb Fritz Bauer enttäuscht. Nach der Lektüre dieser Biografie aber wissen wir, dass der sechzigste Geburtstag unserer Demokratie, die nicht zuletzt von der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit lebt, auch ihm zu verdanken ist.“ Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur, 20. Mai 2009. „Und doch musste Fritz Bauer (1903 bis 1968) erleben, dass er eigentlich auf der ganzen Linie gescheitert war. War doch das Ziel seines Juristenlebens nicht so sehr die Bestrafung der Täter, vielmehr die Aufklärung der Gesellschaft, die Wiederherstellung des rechts nach dessen Pervertierung im Dritten Reich und die Anerkennung des Martyriums der Opfer. Und hier nun musste er am Ende seines Lebens erlkennen, dass die Gesellschaft davon weit entfernt geblieben war. […] Bezeichnend ist darum, dass es über vierzig Jahre dauerte, bis über eine Biografie erschienen ist. Mit der Historikerin Irmtrud Wojak, die lange Zeit am Fritz Bauer Institut […] gearbeitet hat, hat sich eine hochkompetente Autorin ans Werk gemacht. Mit äußerster Gründlichkeit ist sie diesem außergewöhnlichen Juristenleben nachgegangen.“
Claudia Kühner, Basler Zeitung, 26. April 2009.

 

„Der Befund, Bauers Bitternis entstamme den „Begegnungen und dem Hass der Ewiggestrigen und ihren üblen Verleumdungen‘, beschreibt die kafkaeske Szenerie der frühen Bundesrepublik nur vage, in der nicht nur ‚Ewiggestrige', sondern, noch schlimmer, straffrei ausgegangene oder nie zur Verantwortung gezogene Täter ihre Freiräume zur Wahrung der eigenen Interessen nutzten, um hinter den Kulissen gezielt gegen die Strafverfahren zu arbeiten.“
Sabine Fröhlich, Neue Züricher Zeitung, 11. April 2009.

 

„Der Anwalt der Ermordeten. […] Seine Rolle in der jungen Demokratie hatte Fritz Bauer mit dem Satz charakterisiert, dass er ‚außerhalb seines Büros sich in feindlichem Ausland‘ befand. Irmtrud Wojaks Biografie ist gut geschrieben und spannend zu lesen. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Fundierung des humanen Rechtsdenkens in Deutschland.“
Joachim Perels, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 8. April 2009.

 

„Die Historikerin Irmtrud Wojak […] hat sich zehn Jahre lang intensiv mit Leben, Werk und Wirkung Fritz Bauers beschäftigt. Sie porträtiert einen Menschen, der lange fast vergessen war, und dessen Biographie doch unverzichtbar ist zum Verständnis seiner Epoche. […] Mit ihrer ausgezeichneten Biografie bringt Irmtrud Wojak eine der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte in Erinnerung, eine aufrechten Juristen und engagierten Humanisten, einen großen Deutschen. In den detailreich und spannend erzählten Zeitläufen seines Lebens begegnet Bauer dem Leser als scharfsichtiger Idealist, der an der Menschheit zu verzweifeln drohte, den Menschen aber nie aufgab.“
Alexandra Kemmerer, Deutschlandfunk, 30. März 2009.

 

„Ankläger und Aufklärer“ „Fritz Bauers Leben, das sie Historikerin Irmtrud Wojak in ihrer beeindruckenden Biografie nachzeichnet, spiegelt die Verwerfungen der jüngsten deutschen Geschichte exemplarisch wieder. […] Bauer klage einen unverbesserlichen Nazi an: Otto Ernst Remer, ehemaliger Kommandant des Berliner Wachbataillons ‚Großdeutschland‘, der den Umsturzversuch verhindert hatte […] In seinem Plädoyer führte Fritz Bauer aus, dass es in diesem Prozess ‚nicht darum gehe, Zwietracht zu säen, sondern Brücken zu schlagen und zu versöhnen, freilich nicht durch einen faulen Kompromiss, sondern durch die Klärung der Frage: Waren die Männer des 20. Juli Hoch- und Landesverräter?‘ Bauer argumentierte damit, dass der Krieg am 20. Juli 1944 bereits verloren und das deutsche Volk von seiner Regierung total verraten war. Ein verratenes Volk aber könne nicht mehr ‚Gegenstand eines Landesverrats‘ sein, genauso wenig, ‚wie man einen toten Mann durch einen Dolchstoß töten kann‘. Bauer siegte in diesem Prozess auf ganzer Linie.“
Hartwig Bierhoff, Das Parlament, 23. März 2009.

 

„Worum geht es bei Fritz Bauer? Viele waren froh, als er 1968 plötzlich starb. Weshalb wurde er so vergessen? Hängt es damit zusammen, dass er ein Stück dunkelster deutscher Geschichte aufarbeiten wollte?“ Udo Dittmann, Info3. Anthroposophie im Dialog, Februar 2009 „Lesenswert und erschütternd ist Wojaks Buch deshalb, weil es schonungslos aufzeigt, auf welch einesamen und auch verlorenem Posten Fritz Bauer kämpfte. Von dem ersten Auschwitz-Prozess zwischen 1963 und 1965, den Wojak souverän beschreibt, wollte in Deutschland kaum einer etwas wissen. Man hatte seinen Frieden mit den Tätern gemacht. Die Strafen, die gegen Kaduk, Boger und andere gesprochen wurden, waren aus Sicht der Opfer lächerlich gering.“
Marcus Sander, Stuttgarter Zeitung, 27. Februar 2009.

 

„Deutsche sollten Gerichtstag halten – über sich selbst“ „Mit seiner Hilfe ist der deutsche Widerstand rehabilitiert worden, ohne ihn hätte es den Auschwitzprozess (1963-1965) nie gegeben. Bis seine Verdienste gewürdigt wurden, musste fast ein halbes Jahrhundert ins Land gehen. Jetzt ist in einer exzellenten Biographie nachzulesen, welchen Beitrag Bauer zur Ehrenrettung der wenig ruhmreichen deutschen Justiz geleistet hat. Als Autorin zeichnet eine ausgewiesene Expertin: Irmtrud Wojak, 45. Dies Historikerin, die sich durch ihre fundierte Forschung über die NS-Zeit einen Namen gemacht hat […].
Rolf Lamprecht, Süddeutsche Zeitung, 23. Februar 2009.

 

„Zahlreiche Verfahren zog er an sich, fasste sie zu umfassenden Komplexen zusammen, ließ umfangreiche, zum Teil bis heute gültige historische Gutachten erstellen und vortragen und suchte nicht zuletzt Kontakt zu Schriftstellern, die er ermunterte, Prozesse zu beobachten. So machte er den ersten Auschwitz-Prozess möglich, verfolgte den gesamten Bereich der ‚Euthanasie‘-Verbbrechen, ermittelte gegen Mitglieder der berüchtigten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und viele andere mehr. Bauer isolierte sich mit seinem Engagement in der personell noch stark mit den alten NS-Juristen durchsetzten Justiz und musste wieder endlose Schmähungen über sich ergehen lassen, ohne dass sein aufreibender Einsatz den von ihm erwünschten Erfolg gezeitigt hätte. Irmtrud Wojak gelingt eine packende Erzählung über Fritz Bauer, über sein Leben und über sein Rechtsverständnis, mit dem er seiner Zeit immer ein Stück voraus war. Ihre Darstellung Bauers ist kunstvoll verwoben mit dem größeren historischen Kontext und damit auch ein gewichtiger Beitrag zur Geschichte der Bundesrepublik in den fünfziger und sechziger Jahren.“
Markus Roth, WLA-online-Archiv, 48. Jg. (2009), Nr. 1, S. 58f.

 

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