DIE BETEILIGUNG DER JUSTIZ AM ANSTALTSMORD SOLL VOR GERICHT 


Konferenz im „Haus der Flieger“       Keine Einstellung - Bauer zieht die Ermittlungen an sich       "Von den Spitzen der Justiz war zu erwarten, daß sie widersprachen"       Einstellungsbeschluss      Helmut Kramer       Schweigen als Zustimmung zum Massenmord       Anmerkungen und Literatur 


1959 hatte Generalstaatsanwalt Dr. Bauer erreicht, dass die Ermittlungen gegen die Täter von Auschwitz in Frankfurt am Main zusammengefasst wurden. Etwa zur selben Zeit begann er mit den Vorbereitungen für die Anklage der an der NS-"Euthanasie" beteiligten Schreibtischtäter - einschließlich der Spitzen der deutschen Justiz. 

Mit der Absicht, die Auschwitz-Täter anzuklagen, machte der Jurist sich Feinde, jetzt wollte er Vertreter der eigenen Zunft anklagen und es erreichten ihn Morddrohungen. „Wenn ich mein Büro verlasse“, sagte er, „befinde ich mich im feindlichen Ausland“. (1) Gegenüber dem Juristen Rudolf Wassermann (1925-2008) äußerte er: „In der Justiz lebe ich wie im Exil“. (2) Als die "Euthanasie"-Aktion zum Thema wurde, sprach man zunächst nur vom beteiligten Anstaltspersonal, während den übergeordneten Ärzten und Juristen ohne Weiteres schuldloser Verbotsirrtum eingeräumt wurde und von ideologischen Motiven nicht die Rede war. (3) Die Argumentation schlug zugunsten der Ärzte aus, es wurde darauf verwiesen, dass die „Euthanasie“-Ärzte durch Aussonderung noch arbeitsfähiger Kranker sogar „die Gesamtzahl der zu Tötenden“ verringert hätten. (4)

Im Auschwitz-Prozess gipfelte diese Exkulpations-Konstruktion in der Behauptung des Verteidigers Dr. Hans Laternser, die Mitwirkung an Selektionen habe der Lebensrettung gedient. (5) Bei solchem Geschichtsverständnis konnte nur ein enger politischer Führungskreis, nämlich Hitler und die prominenten Initiatoren der verbrecherischen Aktionen, als Täter gelten, während alle übrigen lediglich der Beihilfe beschuldigt wurden. (6) Umso erstaunlicher muss es danach erscheinen, dass Bauer sich auch noch den Verfahrenskomplex der NS-"Euthanasie"-Verbrechen aufbürdete. (7) Ihm ist zu verdanken, dass es überhaupt zu neuen Ermittlungen wegen der Anstaltsmorde kam. (8)


Konferenz im „Haus der Flieger“

Franz Schlegelberger (li.) während seiner Schlussworte im Nürnberger Juristenprozess. Alle Angeklagten erklärten, die gegen sie erhobenen Anschuldigungen seien ungerechtfertigt, sie seien stets für die Unabhängigkeit des Richters und der Justiz eingetreten. 18. Oktober 1945
© picture alliance / dpa

Sowohl das Reichsinnenministerium als auch das Reichsjustizministerium waren aktiv an den NS-"Euthanasie"-Aktionen beteiligt. (9) Als die Tötungsaktionen zu Protesten führten, bemühte sich Reichsjustizminister Dr. Franz Gürtner (1881-1941), eine gesetzliche Legitimation zu schaffen, steckte aber zurück, nachdem er die Kopie des „Führerbefehls“ gesehen hatte. Wenige Monate später, am 23./24. April 1941, ließ sich die Führungsmannschaft der deutschen Justiz, Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte im Berliner „Haus der Flieger“ widerspruchslos auf die Geheimhaltung und reibungslose Durchführung der NS-"Euthanasie"-Aktionen einschwören.

Zur Konferenz hatte das Reichsjustizministerium eingeladen, mittlerweile unter kommissarischer Leitung von Staatssekretär Dr. Franz Schlegelberger (1876-1970), um, wie er plante, „die Tätigkeit seiner Organe den außernormativen Euthanasiemaßnahmen möglichst anzupassen“. Zur Täuschung der geladenen Teilnehmer schrieb Schlegelberger, dass es um Vorträge gehen sollte. (10) Einer der Hauptakteure war Professor Dr. Werner Heyde, der zusammen mit Viktor Brack den Anwesenden das Tötungsprogramm vorstellte. Bauer wollte auch ihn vor Gericht bringen.


Keine Einstellung - Bauer zieht die Ermittlungen an sich

Juristen mit hoher Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung stellten sich in den Dienst der Mordaktion. Aus der Sicht Fritz Bauers bestand die Funktion der Berliner Tagung in der Scheinlegalisierung der NS-„Euthanasie“. Im Mai 1960 übernahm der Generalstaatsanwalt kurzfristig die Ermittlungen gegen zunächst 29 Juristen und erwirkte, vier Tage vor dem Stichtag 8. Mai 1960, durch die beschleunigte Vernehmung von Professor Dr. Heyde die Unterbrechung der Verjährung.

Schon bald drohte dieses „wohl spektakulärste Verfahren der deutschen Justiz-Geschichte“ jedoch im Sande zu verlaufen. (11) Die Staatsanwaltschaft Stuttgart, die mit der Fortsetzung der Ermittlungen beauftragt worden war, wollte schon im Mai 1961 und erneut im August 1962 das Verfahren einstellen. Unter den damaligen Umständen, so befand sie, hätte ein Protest der Konferenzteilnehmer die Mordaktionen nicht behindern können. (12) Im Juni 1963 holte Bauer das Verfahren nach Frankfurt am Main. (13) Er ließ eingehende Ermittlungen anstellen, die sich jedoch hinzogen.


"Von den Spitzen der Justiz war zu erwarten, daß sie widersprachen"

Am 22. April 1965 ging beim Landgericht Limburg/Lahn der Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung mit einer 53-seitigen Anschuldigungsschrift ein. (14) Gegen Staatssekretär a. D. Dr. Schlegelberger und 15, später 20 hohe Justizbeamte, die an der Berliner Juristen-Konferenz im "Haus der Flieger" teilgenommen hatten, machte Bauer geltend: „Gemessen an den Anforderungen, die in den Strafverfahren der Nachkriegszeit an kleinste Gehilfen nationalsozialistischen Unrechts gestellt wurden, war von den versammelten Spitzen der deutschen Justiz zu erwarten, dass sie widersprachen, notfalls sogar erklärten, ihr Amt zur Verfügung zu stellen, um zu verhindern, dass sie durch ihr Stillschweigen zu Gehilfen tausendfachen Mordes wurden.“ (15) Der Antrag blieb monatelang unbearbeitet beim Limburger Untersuchungsrichter liegen.

Bauer fand, außer im Stab seiner engen Mitarbeiter und bei wenigen Strafrechtlern, kein Gehör. Enttäuschend verliefen die Ermittlungen gegen die Spitzen der Justiz, die der Generalstaatsanwalt beschuldigte, der NS-"Euthanasie" auf der Konferenz im April 1941 schweigend zugestimmt zu haben. Der Beschluss der Strafkammer des Landgerichts Limburg zur Eröffnung der Voruntersuchung „gegen Schlegelberger u. a.“ erging erst am 26. Januar 1967, eindreiviertel Jahr nach Eingang von Bauers Anschuldigungsschrift und einen Monat, nachdem der Untersuchungsrichter die Eröffnung der Voruntersuchung gegen Dr. Schlegelberger, den am schwersten Beschuldigten, bereits abgelehnt hatte. Die Begründung lautete, dass die Tatvorwürfe im Nürnberger Juristenprozess schon abgeurteilt worden seien. (16)

Einstellungsbeschluss

In der Folgezeit wurde der Kreis der Angeschuldigten immer kleiner, einige starben, andere Verfahren wurden wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. Vermutlich setzten unmittelbar nach Bauers Tod Überlegungen ein, wie man den ganzen Verfahrenskomplex unauffällig zu Ende bringen könnte. Nach über 11 Jahren, in denen sich die Zahl der Angeschuldigten von 30 auf vier reduziert hatte, endete die Voruntersuchung mit einem neunzeiligen Einstellungsbeschluss des Landgerichts Limburg am 27. Mai 1970, der mit keinem Wort auf die von Fritz Bauer erhobenen Beschuldigungen einging. (17) Man hatte ihn ein Jahr zuvor tot in seiner Wohnung in Frankfurt am Main gefunden.

Damit war ein Tiefpunkt in der so genannten Bewältigung der Vergangenheit erreicht. (18) Ebenso sah es auch Generalsstaatsanwalt Dr. Hans Christoph Schaefer, dritter Amtsnachfolger Dr. Bauers, als er feststellte, dass die berüchtigte Berliner Konferenz vom April 1941 strafrechtlich nicht überzeugend bewältigt worden sei. (19) Als Helmut Kramer, Richter am Braunschweiger Oberlandesgericht, die lautlose Einstellung des Verfahrens 1984 in einer juristischen Fachzeitschrift aufdeckte, wurde er gleichwohl fast noch genauso angefeindet wie seinerzeit der hessische Generalstaatsanwalt. (20) Die hessische Justiz wollte sich keine „Verschleierung“ nationalsozialistischer Gräueltaten nachsagen lassen. (21) Allenfalls gab das Ministerium zu, dass bei Beendigung des Verfahrens dem hohen publizistischen Interesse im In- und Ausland nicht ausreichend Rechnung getragen worden sei. (22)


Helmut Kramer

Wenige Monate nach dem Erscheinen seines Artikels in der Sache "Schlegelberger und andere", den Helmut Kramer dem Andenken Fritz Bauers widmete, wurde ihm außerdem in einem Rundschreiben des deutschen Botschafters in Budapest, Dr. Ernst Friedrich Jung, bewusste Wahrheitsfälschung vorgeworfen. (23) Der Text stammte vom Sohn des Berliner Generalstaatsanwalts Dr. Friedrich Walter Jung, der an der Konferenz Schlegelbergers vom April 1941 teilgenommen hatte. Unterstützung erhielt er von Lothar Gruchmann vom Münchner Institut für Zeitgeschichte, dem Kramer allerdings Widersprüchlichkeit bescheinigte. (24) 

Gruchmann bezeichnete Hitlers auf den 1. September 1939 rückdatierten NS-„Euthanasie“-Erlass zwar als vom geltenden positiven Recht nicht gedeckt, jedoch „nach den damaligen staatsrechtlichen Vorstellungen“ als bindend. (25) Die Äußerung rechtlicher Bedenken wäre aussichtslos und ein „nur die eigene Existenz gefährdende[s] Unterfangen“ gewesen. (26) Genau das Gegenteil war der Kern der Anschuldigungen von Fritz Bauer gewesen.

Helmut Kramer erstattete Strafanzeige gegen Botschafter Jung. Es kam zu einer Anklage wegen Beleidigung, Verleumdung und falscher Verdächtigung. Das Verfahren zog sich bis 1990 hin und war, wie Kramer schrieb, von „prozessualen Merkwürdigkeiten“ nicht frei. Beispielsweise verschwanden vorübergehend sämtliche Akten, 15 Bände von zeitgeschichtlicher Bedeutung, unter ungeklärten Umständen auf dem Weg von der Bonner Staatsanwaltschaft ins dortige Amtsgericht. (27) Ergebnis war, dass zunächst ein Schöffengericht den Botschafter freisprach, das Verfahren aber schließlich mit einer Einstellung wegen Geringfügigkeit endete. (28) „Um es kurz zu machen“, kommentierte Die Zeit: „Die Rabentauglichkeit in der deutschen Justiz hat wieder einmal funktioniert.“ Ob es dem Sohn eines „zu Recht Beschuldigten […] fünfzig Jahre nach der Tat sogar gelungen ist, die verlorene Ehre seines Vaters zu retten“? Neues hatte der Prozess nicht ans Licht gebracht. Was zugunsten des Generalstaatsanwalts Jung angeführt worden war, ließ sich nicht beweisen. Angeblich hatte er auf der Konferenz von 1941 seinem Nachbarn zugeflüstert: „Jetzt möchte ich den sehen, der vor Scham nicht rot wird“. Ebenso unbewiesen blieb die Behauptung, Jung habe später Staatssekretär Schlegelberger erklärt, er könne aus religiösen und rechtlichen Gründen die ihm erteilten Weisungen nicht ausführen. Aber Dr. Schlegelberger konnte sich nicht an Jung erinnern. (29)

Der Beleidigungsprozess hatte zur Folge, was der Botschafter gewiss nicht beabsichtigt hatte: Über die Untersuchungen gegen seinen Vater und die mitbeschuldigten Konferenzteilnehmer, für die Generalstaatsanwalt Dr. Bauer seinerzeit Aufhebung des Geheimschutzes angeordnet hatte, wurde wie bei Erscheinen von Kramers Artikel erneut in allen großen Zeitungen berichtet. Der Fall „Jung sen.“ war damit noch nicht erledigt. Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung Helmut Kerscher schrieb 1990 noch einmal über den Verlauf der Berliner Konferenz vom April 1941 und zitierte Jung mit den Worten: „Eine Diskussion nach den Vorträgen fand nicht statt. Es herrschte bei den Teilnehmern eisiges Schweigen, das einer Ablehnung gleichkam“. (30)

Schweigen als Zustimmung zum Massenmord 

Für Fritz Bauer zählte, dass die westdeutsche Justiz die Spitzen der NS-Justiz dokumentarisch zur Rechenschaft zog. Das Schweigen der Juristen, die an Schlegelbergers Konferenz vom April 1941 teilgenommen hatten und sich verpflichten ließen, musste demnach als Zustimmung zum Massenmord gewertet werden. Allein das Wissen, dass die Opfer systematisch ausgewählt worden waren, machte den Prozess gegen die deutschen Justizspitzen historisch notwendig. Diejenigen, die die Unmenschlichkeit am eigenen Leibe erfahren hatten, hatten einen Anspruch darauf, dass darüber sowohl zutreffend berichtet, als auch die Übeltäter an den Pranger gestellt würden.

Der Jurist Bauer hatte Zeit seines Lebens etwas anderes als eine passive, stillschweigende „Ablehnung“ von seiner Zunft im nazistischen Unrechtsstaat erwartet. In seinen Augen hätten die Juristen laut widersprechen müssen, wenn grundsätzliche Werte in Frage gestellt wurden. (31) Einmal mehr wurde deutlich, worin die Verantwortung des Täter-Kollektivs bestand, das keinen Widerstand gegen das Unrechtssystem leistete.

 


Anmerkungen und Literatur

(1) Helga Einsele, "Worte der Erinnerung", in: Hessisches Ministerium der Justiz (Hrsg.), Fritz Bauer. Eine Denkschrift. Wiesbaden 1993, S. 19-22, hier S. 21.
(2) Rudolf Wassermann, "Fritz Bauer (1903-1968)", in: Peter Glotz und Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.), Vorbilder für Deutsche. Korrektur einer Heldengalerie. München, Zürich 1974, S. 296-309, hier S. 296.
(3) Susanne Benzler  / Joachim Perels, „Über den juristischen Umgang mit der NS-‚Euthanasie’“, in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 15-34, hier S. 23 ff.; diese Rechtslehre wurde von H. Welzel bereits 1948 entwickelt; vgl. Kerstin Freudiger, Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Tübingen: Mohr Siebeck, 2002, S. 340 ff.
(4) Welzel bezweifelte den Tatbestand des Mordes, vgl. Benzler und Perels, „Über den juristischen Umgang mit der NS-‚Euthanasie’“, S. 25: Hans Welzel, "Der Irrtum über die Rechtswidrigkeit des Handelns", in: Süddeutsche Juristenzeitung, 1948, Sp. 371, Anm. 8.
(5) Christian Dirks, "Selekteure als Lebensretter. Die Verteidigungsstrategie des Rechtsanwalts Dr. Hans Laterner", in: Fritz Bauer Institut (Hrsg.), "Gerichtstag halten über uns selbst ..." Geschichte und Wirkung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Hrsg. im Auftrag des Fritz Bauer Instituts von Irmtrud Wojak. Frankfurt/M., New York: Campus, 2001, S. 163- 192. S. 174 f.
(6) Freudiger, Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen, S. 248 und 251; nach 1950 wurden über 80 Prozent der wegen Beteiligung an NS-"Euthanasie"-Aktionen Verurteilten als Gehilfen eingestuft. Vgl. Dirks, "Selekteure als Lebensretter", S. 173 f. über die Argumentation von RA Laternser, die Vernichtung der Juden in Auschwitz sei "ausschließlich die Tat Hitlers".
(7) Helmut Kramer, "'Gerichtstag halten über uns selbst'. Das Verfahren Fritz Bauers zur Beteiligung der Justiz am Anstaltsmord", in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 81-131, hier S. 87.
(8) Ebd. S. 88.
(9) Lothar Gruchmann, "Euthanasie und Justiz im Dritten Reich", in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 20 (1972), H. 3, S. 235-279, hier S. 244, vertritt die Ansicht, das Reichsjustizministerium sei weder beteiligt, noch zu den aufgeworfenen Rechtsfragen gehört und von der Aktion in Kenntnis gesetzt worden.
(10) Vgl. das Zitat ebd., S. 268 und S. 271; Benzler und Perels, „Über den juristischen Umgang mit der NS-‚Euthanasie’“, S. 20; Claudia Fröhlich, "Wider die Tabuisierung des Ungehorsams". Fritz Bauers Widerstandsbegriff und die Aufarbeitung von NS-Verfahren. Frankfurt/M., New York: Campus, 2006, S. 360 ff.
(11) DER SPIEGEL, 13.12.1961.
(12) Kramer, "'Gerichtstag halten über uns selbst'", S. 91.
(13) GStA Bauer, Bericht vom 25.5.1964, Hessisches Ministerium der Justiz Wiesbaden (HMJ), Werner Blankenburg u. a., IV-1554/60, Bd. II, Bl. 238.
(14) Kramer, "'Gerichtstag halten über uns selbst'", S. 92.
(15) Vgl. die Anschuldigungsschrift im Ermittlungsverfahren Schlegelberger u. a., Js 20/63 GStA Frankfurt/M., Antrag auf Eröffnung der gerichtlichen Voruntersuchung, 22.4.1965, in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. S. 145-167, hier S. 165.
(16) S. 94f. und S. 97; „GStA Bauer informierte die Presse: Zwölf Juristen schwer belastet“, in: Frankfurter Rundschau, 7.2.1967. Rechtsmittel legte Bauer gegen den Beschluss des Landgerichts Limburg, das am 21.12.1966 die Eröffnung der Voruntersuchung gegen Schlegelberger anlehnte, nicht ein; vgl. GStA Bauer, 5.1.1967, an das HMJ, Ermittlungsverfahren gegen Schlegelberger u. a., HMJ Wiesbaden, Az. III/4 – 557/65, Bd.1, Bl. 117.
(17) Vgl. den Abdruck des Einstellungsbeschlusses, Js 20/63 (GStA), in: Loewy und Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht, S. 145-167, S. 180 f.
(18) Kramer, "'Gerichtstag halten über uns selbst'", S. 112.
(19) Hans Christoph Schaefer, "Unbewältigte Justizvergangenheit. Zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen die Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte", in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 133-144, hier S. 143 f.
(20) Helmut Kramer, "Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte als Gehilfen der NS-'Euthanasie' – Selbstentlastung der Justiz für die Teilnahme am Anstaltsmord", in: Redaktion Kritische Justiz (Hrsg.), Die juristische Aufarbeitung des Unrechtsstaats. 1. Aufl. Baden-Baden: Nomos, 1998, S. 413-439.
(21) Helmut Kramer, "Selbstentlastung der Justiz für die Teilnahme am Anstaltsmord", in: Frankfurter Rundschau, 26.4.1984.
(22) Vgl. das Schreiben des HMJ, gez. von Dr. C. Schaefer, gedruckt unter dem Titel: „Über jeden Verdacht erhaben“, in: Frankfurter Rundschau, 9.6.1984; eingeräumt wurde, dass H. Kramer die "erbetene Akteneinsicht zunächst verweigert worden ist", aber "kurz danach" und "später immer wieder" gewährt wurde.
(23) Die Hintergründe und den Beleidigungsprozess gegen Dr. Ernst F. Jung erläuterte Kramer in einem Artikel in der Kritischen Justiz (H. 2, 1987), der am 19.5.1987 in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht wurde; H. Kramer, "Vergangenheitsbewältigung wider Willen. Zu einem bevorstehenden Beleidigungsprozess, der auf das Jahr 1941 zurückgeht".
(24) Gemeint ist der Aufsatz in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte: Gruchmann, "Euthanasie und Justiz im Dritten Reich"; dazu Kramer, "Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte", S. 416.
(25) Gruchmann, "Euthanasie und Justiz im Dritten Reich", S. 242.
(26) Ebd. S. 242 und S. 278.
(27) Kramer, "Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte als Gehilfen der NS-'Euthanasie'", S. 413; Helmut Kerscher, "Der Streit über das beschämende Schweigen", in: Süddeutsche Zeitung, 13.9.1990.
(28) Kramer ebd.
(29) Hans Schueler, "In alter Rabentauglichkeit", in: DIE ZEIT, 26.10.1990.
(30) Bundesministerium der Justiz (Hrsg.), Im Namen des Deutschen Volkes. Justiz und Nationalsozialismus. Köln 1989. S. 205. Das Zitat findet sich auch bei Ernst Klee, Was sie taten – was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. Frankfurt am Main 1994 (Orig. 1986), S. 250.
(31) Vgl. Ingrid Müller-Münch, "Unentschieden endete der lange Kampf um des Vaters Ehre. Die Schuld der NS-Juristen und die Not der Söhne – ein Beleidigungsprozess mit politischen Hintergrund", in: Frankfurter Rundschau, 12.9.1990, die diese Auffassung Bauers noch einmal herausstellte und mit der Erklärung von Botschafter Jung konfrontierte, der in dem Prozess gesagt hatte: "Wir lassen uns von niemandem vorwerfen, daß wir nicht an die Opfer denken. Wir sind selbst Opfer."

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Anschuldigungsschrift im Ermittlungsverfahren Schlegelberger u. a., Js 20/63 GStA Frankfurt/M., Antrag auf Eröffnung der gerichtlichen Voruntersuchung, 22.4.1965, in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 145-167.

Bundesministerium der Justiz (Hrsg.), Im Namen des Deutschen Volkes. Justiz und Nationalsozialismus. Köln 1989.

Susanne Benzler / Joachim Perels, "Über den juristischen Umgang mit der NS-'Euthanasie'", in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 15-34.

Christian Dirks, "Selekteure als Lebensretter. Die Verteidigungsstrategie des Rechtsanwalts Dr. Hans Laterner", in: Fritz Bauer Institut (Hrsg.), "Gerichtstag halten über uns selbst ..." Geschichte und Wirkung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Hrsg. im Auftrag des Fritz Bauer Instituts von Irmtrud Wojak. Frankfurt/M., New York: Campus, 2001, S. 163- 192.

Helga Einsele, "Worte der Erinnerung", in: Hessisches Ministerium der Justiz (Hrsg.), Fritz Bauer. Eine Denkschrift. Wiesbaden 1993, S. 19-22.

Kerstin Freudiger, Die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Tübingen: Mohr Siebeck, 2002.

Claudia Fröhlich, "Wider die Tabuisierung des Ungehorsams". Fritz Bauers Widerstandsbegriff und die Aufarbeitung von NS-Verfahren. Frankfurt/M., New York: Campus, 2006.

Lothar Gruchmann, "Euthanasie und Justiz im Dritten Reich", in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Jg. 20 (1972), H. 3, S. 235-279.

Helmut Kerscher, "Der Streit über das beschämende Schweigen", in: Süddeutsche Zeitung, 13.9.1990.

Ernst Klee, Was sie taten – was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. Frankfurt am Main 1994 (Orig. 1986).

Helmut Kramer, "'Gerichtstag halten über uns selbst'. Das Verfahren Fritz Bauers zur Beteiligung der Justiz am Anstaltsmord", in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 81-131.

Helmut Kramer, "Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte als Gehilfen der NS-'Euthanasie' – Selbstentlastung der Justiz für die Teilnahme am Anstaltsmord", in: Redaktion Kritische Justiz (Hrsg.), Die juristische Aufarbeitung des Unrechtsstaats. 1. Aufl. Baden-Baden: Nomos, 1998, S. 413-439.

Helmut Kramer, "Selbstentlastung der Justiz für die Teilnahme am Anstaltsmord", in: Frankfurter Rundschau, 26.4.1984.

Helmut Kramer, "Vergangenheitsbewältigung wider Willen. Zu einem bevorstehenden Beleidigungsprozess, der auf das Jahr 1941 zurückgeht", in: Frankfurter Rundschau, 19.5.1987.

Ingrid Müller-Münch, "Unentschieden endete der lange Kampf um des Vaters Ehre. Die Schuld der NS-Juristen und die Not der Söhne – ein Beleidigungsprozess mit politischen Hintergrund", in: Frankfurter Rundschau, 12.9.1990.

Hans Christoph Schaefer, "Über jeden Verdacht erhaben", in: Frankfurter Rundschau, 9.6.1984.

Hans Christoph Schaefer, "Unbewältigte Justizvergangenheit. Zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen die Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte", in: Hanno Loewy / Bettina Winter (Hrsg.), NS-Euthanasie vor Gericht. Fritz Bauer und die Grenzen juristischer Bewältigung. Frankfurt/M., New York: Campus, 1996, S. 15-34 S. 133-144.

Hans Schueler, "In alter Rabentauglichkeit", in: DIE ZEIT, 26.10.1990.

Rudolf Wassermann, "Fritz Bauer (1903-1968)", in: Peter Glotz und Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.), Vorbilder für Deutsche. Korrektur einer Heldengalerie. München, Zürich 1974.


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