DER DEPORTATIONSSPEZIALIST MUSS SICH VERANTWORTEN


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Die Vorgeschichte

Fritz Bauer spricht zum Eichmann-Prozess 
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Es war keine deutsche Strafverfolgungsbehörde, die den Anfang bei der Suche nach dem gefürchteten NS-Verbrecher Adolf Eichmann machte, sondern die Polizeidirektion Wien, die im August 1945 erfolglos ein Verfahren gegen den Deportationsspezialisten und ehemaligen Judenreferenten des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) eingeleitet hatte. „Nach zehn Jahren ergebnisloser Bemühungen," so fasste Generalstaatsanwalt Dr. Bauer den Gang der Ermittlungen zusammen, "sandte die österreichische Regierung ‚zuständigkeitshalber‘ den Aktenbestand an das Bundesjustizministerium in Bonn. Dort leitete man den Aktenvorgang dem Bundesgerichtshof zu, der seinerseits die Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main für zuständig erklärte […]. Mit dieser Odyssee eines Aktenbandes durch die Zimmerfluchten von Ministerien, Staatsanwaltschaften und Gerichten, bei der sich Unberechenbares an Unberechenbares reihte, begann das Verfahren, das schließlich in Jerusalem mit der Verurteilung Eichmanns endete.“ (1)

Mit Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 26. Oktober 1956 wurde die als „Strafsache gegen Krumey und andere“ geführte Ermittlung an das Landgericht Frankfurt am Main gegeben. Damit landeten die Fahndungsakten auf Fritz Bauers Schreibtisch, zudem eine größere Sammlung von Zeitungsberichten und entsprechenden Aufzeichnungen sowie ein Gerücht von Eichmanns Aufenthaltsort, über den die Boulevardzeitung Der Abend am 1. Oktober 1954 berichtet hatte: Im Ausseer Land gelte als feststehende Tatsache, dass Eichmann noch lebe und sich möglicherweise in der Region verberge.


Die Spur führt nach Argentinien

In Wirklichkeit lebte die Familie Eichmann seit dem Sommer 1953 in einem Vorort der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Eichmann war über die berüchtigte Rattenlinie geflüchtet, mit Unterstützung des Vatikans. Erst mit dem Sturz des Diktators Perón (1955), eigentlich schon mit dem Tod der legendären Evita Perón, löste sich das schützende Netzwerk auf, das geheimdienstlich geführte Organisationen für die geflüchteten NS-Verbrecher gesponnen hatten.

Mit dem Niedergang der Diktatur fiel auch die treibende Kraft hinter der deutsch-argentinischen Tarnfirma CAPRI (Compañía Argentina para Proyectos y Realisaciones Industriales, Fuldner y Cia) weg, hinter der sich unter anderem eine Anwerbeorganisation für die Fertigungsbetriebe der argentinischen Luftwaffe verbarg. Diesem Netzwerk und einer Anstellung bei Mercedes-Benz verdankte Eichmann seinen unauffälligen Aufenthalt. Die Journalistin und Autorin Gaby Weber (Buenos Aires) hat die argentinischen Hintergründe der Geschichte aufgedeckt.
Link zum Buch

Eichmanns Kontakte beschränkten sich auf die „alten Kameraden“ aus der SS, unter ihnen auch der ehemalige SS-Mann Willem Sassen (1918-2001), zu dem sich alsbald eine besondere Beziehung anbahnte. Der Deportationsspezialist und der NS-Propagandist brauchten Geld, um sich und ihre Familie zu ernähren, und das war wohl letztlich das entscheidende Motiv dafür, dass Sassen zwischen 1953 und 1955 Eichmann zu einem ausführlichen Interview über seine Tätigkeit für das NS-Regime überreden konnte. Teile des Transkripts hat Sassen später, kurz nach der Entführung von Eichmann, an das amerikanische Magazin TIME/Life und das deutsche Magazin Stern verkauft. Eichmann lieferte sich mit dem Interview Sassens Wohlwollen aus. Er gab sein Inkognito „Ricardo Klement“ auf und wollte der Welt nun endlich über seine Sicht der Geschichte "Bescheid geben". Doch das Schicksal fiel ihm in den Arm: Kurz nachdem er das Interview begonnen hatte, stieß ein blinder jüdischer Emigrant in Buenos Aires auf Eichmanns Spur.

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Lothar Hermann - Ein blinder Emigrant informiert Dr. Bauer

Lothar Hermann als junger Mann
© Liliana Hermann, B'Aires

Lothar Hermann (1901-1974) war 1935/36 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert worden und in den dreißiger Jahren nach Argentinien geflüchtet. 1947 war er, im Alter von 45 Jahren, vollständig erblindet. Keine zehn Jahre später musste Hermann zu seinem Schrecken feststellen, dass seine dreizehnjährige Tochter einen der Söhne des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Eichmann bei einem Kinobesuch kennengelernt hatte.

Lothar Hermann unterrichtete die jüdische Gemeinde in Buenos Aires, die jedoch kein besonderes Interesse an der Entdeckung des Deportationspezialisten zeigte. Daraufhin verfasste der KZ-Überlebende einen Brief an den hessischen Generalstaatsanwalt Dr. Bauer und brachte so die Suche nach Adolf Eichmann, in dessen Nähe die Familie Hermann gewohnt hatte, erst richtig ins Rollen. Was danach geschah, lässt sich aus einem zweiten Schreiben Lothar Hermanns, das er drei Jahre später an den hessischen Generalstaatsanwalt schickte, einigermaßen erschließen.
 


Coronel Suarez, Argentina, 25. Juni 1960

„Sehr geehrter Herr Dr. Bauer!

Wenn ich mir heute gestatte, diesen Brief Ihnen vorzulegen, so beziehe ich mich auf den in den Jahren 1957/58 mit Ihnen wegen der Aufklärung des Falles Adolf Eichmann gepflogenen Briefwechsel. Dabei schicke ich voraus, daß, nachdem Sie mir Anfang 1958 einen Beauftragten sandten, ich seit dieser Zeit mit diesem, wie auch mit Ihnen, jeglichen Kontakt verloren habe. Sie erhielten von mir vor der Unterredung mit Karl Hubert alle genauen Daten und Details sowie den damaligen Aufenthaltsort des Gesuchten, der unter falschem Namen mit seiner Ehefrau Veronika Liebl und seinen vier Kindern in der Straße Calle Chacabuco Nr. 4261 in der Stadt Olivos, Distrikt Vicente Lopes, Provinz Buenos Aires, Argentinien, wohnhaft gewesen war, direkt mit Luftpost nach Frankfurt a./M. zugesandt. Bestätigung dieses Briefeingangs durch Sie liegt mir vor. Mit Herrn Karl Hubert, der mir von Ihnen ein handschriftlich verfaßtes Empfehlungsschreiben in meiner Wohnung hier überreichte, verhandelte ich im Fall Adolf Eichmann und übergab diesem, mir völlig unbekannten Beauftragten alle noch in meinem Besitze befindlichen Unterlagen. Weiter erklärte mir Hubert, daß ich fortan jeglichen Briefwechsel mit Ihnen unterlassen sollte und daß ich zukünftig alle Korrespondenz nur mit ihm selbst unter der mir gegebenen Adresse: Karl Hubert c/o A. S. Richter 3965 Sedgwick Avenue Bronx 63 New York U.S.A. abwickeln möge. Bei dieser Gelegenheit legte der Erschienene ein selbst aufgenommenes Foto der Wohnung des Adolf Eichmann vor, welches hier wiedererkannt wurde und sagte mir, daß von Ihnen alles Aufklärungsmaterial in seinem Besitze sei. Nach vielen weiteren Aufklärungen meinerseits fiel mir auch durch Zufall ein Foto von Klaus Eichmann, dem ältesten Sohn des Gesuchten, in die Hände, welches ich sofort per Luftpost an die New Yorker Adresse sandte. Trotz meiner vielen Bitten, Hubert wolle mir doch meine enormen Auslagen und Kosten ersetzen, erhielt ich nur unter großen Schwierigkeiten und Mühewaltungen in zwei Raten den Betrag von 15.000 argent. Pesos, versuchte weiter bei Hubert die Festnahme von Eichmann zu erwirken, damit die Auslieferung dieses Kriegsverbrechers erfolgen konnte. Scheinbar war wenig Interesse für diesen Fall vorhanden, trotzdem lückenlos und einwandfrei der Aufenthalt von A. Eichmann nachgewiesen war.

Liliana Hermann 2012 beim späten Gedenkakt für
L. Hermann auf dem katholischen Friedhof von Coronel
Suárez, 2012
© Gaby Weber

Sie und Herr Hubert ließen unbegreiflicherweise in der Angelegenheit nichts mehr verlauten und so kam es, daß ich die versprochene Mitarbeit und die Weiterarbeit der Sache aufgab und an Sie die mir zur Verfügung gestellten Unterlagen zurückschickte. Wäre diesem Abschnitt nicht ein Zufall begegnet, so wäre vielleicht dieser Massenmörder nie in Argentinien aufgespürt worden. Als im Argentinischen Tageblatt im Jahre 1959 erneut die Suche nach A. Eichmann publiziert wurde und der Leiter des Israelischen Instituts zur Erforschung der Naziverbrechen in Haifa, Israel, Herr Tuviah Friedmann, unter Aussetzung einer Belohnung von $ 10.000 U.S.A. sich mit mir in Verbindung setzte, ließ ich diesen wissen, daß ich bereit sei, den Aufenthalt des Adolf Eichmann mit allen erforderlichen Daten bekannt zu geben, vorbehaltlich des Rechts, mir die ausgesetzte Belohnung sicherzustellen und auszuzahlen. Man hat dann von Israel aus in diesem Jahre Eichmann in Argentinien verhaftet, ihn abtransportiert und der Justiz in Israel überstellt. Wenn auch dieser geglückte Schachzug begrüßenswert ist, so ist weniger angenehm die Taktik und das unerfüllte Versprechen des Herrn Friedmann mir gegenüber, der nur auf meine Initiative hin diesen großen Erfolg buchen konnte.

Ich lasse Sie noch wissen, daß Adolf Eichmann alias Francisco Schmidt unter dem zweiten falschen Namen: Richard (Ricardo) Clement ging und ich diesen Clement schon im Jahre 1958 Herrn Hubert in New York als diejenige Person anzeigte, auf deren Namen der Lichtzähler in seiner Wohnung eingetragen war, mithin hat man auch Ihrerseits schon damals diesen Namen gekannt.

Die jüngsten Ereignisse, die den Fall Eichmann aufklärten, haben gezeigt, daß niemand außer mir den wahren Aufenthalt des Gesuchten gekannt hat, und wenn nun derselbe zur Strecke gebracht wurde, so verzichte ich wohl auf Ruhm in der Geschichte, möchte aber trotzdem nicht mit meiner enormen Arbeit heute bezüglich meiner Forderung mit Undank belohnt werden und ins Hintertreffen geraten. Dieses ist der Grund, warum ich an Sie schreibe und versuche, zu erfahren, ob Sie, sehr geehrter Herr Bauer, das Ihnen und Herrn Hubert zur Verfügung gestellte Beweismaterial an irgendeine Stelle in Israel übergeben haben und inwieweit Sie, Herr Generalstaatsanwalt, mit Herrn Friedmann hinsichtlich dieses Falles in Verbindung gestanden haben. Die von Ihnen und Herrn Hubert an mich gesandten Briefe liegen mir vor und sind stets der Beweis dafür, daß der Fall Eichmann von mir bearbeitet wurde, bevor noch Herr Friedmann die Verhaftung veranlassen konnte.

Was mich interessiert ist, zu erkunden, ob Israel durch mich des Eichmann habhaft wurde und deshalb bitte ich Sie sehr ergebenst, mich in diesem Sinne unterstützen zu wollen und mir gefällichst (sic) so schnell wie möglich einen ausführlichen Bericht mit Luftpost zukommen lassen zu wollen. Haben Sie im voraus meinen besten Dank für Ihre werte Mühewaltung und sehe ich mit großem Interesse Ihrer geschätzten Antwort entgegen.

Hochachtungsvoll, L. Hermann“

Quelle: Archiv der Sozialen Demokratie, Friedrich Ebert Stiftung, Bonn

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Fritz Bauer schaltet Israel ein

         

Grußkarten F. Bauers an seine Frau, 1958/59
© FMB Archiv der BUXUS STIFTUNG


Was Lothar Hermann nicht wissen konnte: Der Kontakt mit Generalstaatsanwalt Dr. Bauer versetzte diesen 1957 in die Lage, den Hinweis an Felix Shinnar (1905-1985), Leiter der Israel-Mission in Köln, und damit an den israelischen Geheimdienst weiterzugeben. Dieser wiederum setzte Shaul Darom (Erich Cohn), den Bruder des damals amtierenden israelischen Generalstaatsanwalts Haim Cohn, als Verbindungsmann zu Bauer ein. Am 7. November 1957 fand das erste Treffen statt. Darom/Cohn erfuhr, dass Dr. Bauer einen Brief aus Buenos Aires erhalten hatte und wünschte, dass der Mossad die Identität des Mannes feststelle, den der Informant als Eichmann erkannt hatte. Bauer übergab Darom/Cohn Kopien aus den Ermittlungsakten und teilte ihm mit, dass er als einzigen Georg August Zinn (1901-1976), den hessischen Ministerpräsidenten und in Personalunion Justizminister, unterrichtet habe. Auf Einladung der israelischen Regierung ging Bauer im Frühjahr 1958 für vier Wochen nach Israel.

Bauer behandelte seine Kenntnisse absolut vertraulich. Seine Bemühungen waren auch in der Staatsanwaltschaft Frankfurt nicht bekannt. Ende 1959 flog er nach ersten Fehlschlägen wieder nach Israel, mit neuen Hinweisen auf Eichmanns Aufenthaltsort. Ein Treffen, an dem der israelische Generalstaatsanwalt Haim Cohn, Geheimdienstchef Isser Harel, sein Mitarbeiter Hermann Arndt (Zvi Aharoni) und Fritz Bauer teilnahmen, führte zu konkreten Schritten.


Isser Harels Buch:
Das Haus in der Garibaldistraße

In der deutschen und israelischen Presse erschien am 24. Dezember 1959 ein Artikel, der mit dem Mossad abgesprochen war und in dem Bauer berichtete, die westdeutsche Regierung erstrebe die Auslieferung Eichmanns, der sich in Kuwait befinde. Auf diese Weise wollte man Eichmann in Sicherheit wiegen.

Der weitere Ablauf der Ereignisse ist bekannt. Isser Harel schickte im Februar 1960 wieder einen Agenten nach Argentinien – eben jenen Hermann Arndt (Zvi Aharoni), der auch an der Besprechung mit Bauer teilgenommen hatte. Anfang April war Arndt nach umfangreichen Ermittlungen sicher, mit Hilfe seiner Mitarbeiter Ricardo Klement als Eichmann identifiziert zu habe, und flog am 8. April zurück nach Israel. Am Abend des 11. Mai 1960 wurde der ehemalige SS-Obersturmbannführer gekidnappt. Zehn Tage später brachten die Agenten ihn mit einem Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El Al nach Tel Aviv und von dort in ein Gefängnis in der Nähe von Haifa.

Nur ein wichtiges Detail bleibt ungeklärt: Hat Willem Sassen seinen SS-Kumpan Eichmann gegenüber Fritz Bauer verraten? Gelangte das stundenlange Interview, das Eichmann als antisemitischen und nationalistischen Berserker entlarvte, in die Hände des Mossad und der Justiz, weil Sassen ohne Wissen des Interviewten das Transkript dem amerikanischen Magazin TIME/Life angeboten hatte? Dies jedenfalls behauptet der Historiker Stan Lauryssens, der sowohl Sassen als auch Harel interviewt hat. Einen Beweis dafür, dass Sassen Fritz Bauers zweiter Informant war und ihm den Aufenthaltsort Eichmanns mitteilte, gibt es jedoch nicht. Dass Sassen den Geheimdiensten seine Informationen weitergab, ob Israels, der USA oder Deutschlands, dürfte allerdings ohne Zweifel feststehen. Generalstaatsanwalt Dr. Bauer war auch im Besitz des Sassen-Interviews.

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Wird Eichmann an Deutschland ausgeliefert?

Am 23. Mai 1960 gab Ben Gurion bekannt: "Ich habe der Knesseth mitzuteilen - daß einer der größten nazistischen Kriegs-
verbrecher - Adolf Eichmann - der zusammen mit den Naziführern für die sogenannte Endlösung der jüdischen Frage - das bedeutet: für die Vernichtung von sechs Millionen europäischer Juden - verantwortlich war, sich in israelischem Gewahrsam befindet und seinem Prozeß in Israel entgegensieht."

Unzweifelhaft ist, dass Eichmann ohne das Drängen Fritz Bauers und die Initiative von Lothar Hermann nicht entführt und vor Gericht gestellt worden wäre. Bauer informierte seinen Regierungschef Georg August Zinn und den israelischen Geheimdienst, weil er fürchtete, dass durch offizielle Maßnahmen Eichmann beizeiten gewarnt worden wäre. Ein langwieriges bürokratisches Auslieferungsverfahren wäre mit Publizität verbunden gewesen und hätte zu einem Fehlschlag führen können. Nicht zuletzt vertrat mit Werner Junkers ein ehemaliger Nationalsozialist, der schon im Auswärtigen Amt der NS-Zeit tätig gewesen war, die Deutsche Botschaft in Buenos Aires.

Der israelische Generalstaatsanwalt Haim Cohn und auch Isser Harel haben die Bemühungen Bauers um eine Auslieferung Eichmanns hervorgehoben, auch anerkannt und dabei unterschiedliche Motive angedeutet. So behauptete Harel, dass Bauer quasi mit einem Auslieferungsantrag „gedroht“ habe, um die Entführung in Gang zu bringen. Er selbst habe mit diesem Argument versucht, den israelischen Ministerpräsidenten Ben Gurion (1886-1973) zum Handeln zu bewegen. Haim Cohn wiederum bestätigte, dass man sich lange Zeit auch in Israel nicht darüber einig war, wie man gegen Eichmann vorgehen wollte. In einem Interview offenbarte er: „Ich habe das Möglichste getan, was ich konnte, um Fritz Bauer davon zu überzeugen, dass Deutschland ein Auslieferungsbegehren an Argentinien stellen sollte. Und so viel ich weiß, so viel er mir erzählt hat, das ging Jahre hindurch, jedenfalls 59, 60 [...], hat er alle zuständigen Stellen ersucht, ob das der Justizminister war, er hat mit dem Bundeskanzler verhandelt, aber die haben abgelehnt, sie wollten dieses nicht auf sich nehmen.“ (2)

Wollte Fritz Bauer den Prozess tatsächlich nach Deutschland holen? Cohn war sich nicht sicher, ob er dies wirklich von „ganzem Herzen“ wollte. Er habe Cohn auch einige Male gesagt, „dass er als Jude nicht der Mann ist, dafür zu plädieren.“ Unabhängig davon setzte gerade in den Monaten vor der Entführung ein reger Notenaustausch zwischen deutschen und israelischen Stellen ein. Die Bundesregierung plante ein Dossier über den Fall Eichmann anzulegen. Bauer beschränkte sich in der Antwort auf eine knappe Chronologie der Zuständigkeiten bis zum Haftbefehl gegen Eichmann. Weitere Mitteilungen würden sich im Hinblick auf die im Rahmen dieses Ermittlungsverfahrens zugesicherte Diskretion verbieten. Im März 1960 kam es zum ersten Treffen zwischen Ben Gurion und Konrad Adenauer (1876-1967) in New York, und seit Anfang des Jahres plante Bundespräsident Theodor Heuss (1884-1963) einen Besuch in Israel, über den er mit Felix Shinnar korrespondierte.

Tatsächlich hielt sich Heuss noch in Israel auf, als Eichmann sich bereits im Gewahrsam der israelischen Polizei befand – was jedoch während des Besuches nicht zur Sprache kam.
Politisches Kalkül? Laut Protokoll eines Gesprächs zwischen Harel, Ben Gurion und Yitzhak Navon (1921-2015), dem späteren israelischen Staatspräsidenten, wusste Ben Gurion nicht einmal, wer der Überbringer der Nachricht vom Aufenthaltsort Eichmanns war. Harel erwähnte Bauer nicht, sondern sprach gegenüber Ben Gurion immer nur von einem „deutschen Juden“. Mit Ben Gurions Zustimmung waren jedoch die Würfel für die Entführung bereits Ende 1959 gefallen.

Eichmann in seiner Zelle in Israel
© Israel State Archive

Am 22. Mai 1960 schrieb Generalstaatsanwalt Cohn seinem Kollegen Bauer einen Brief, der die Erleichterung ausdrückte, die alle Beteiligten empfanden: „Es ist für uns alle eine Quelle großer Befriedigung, daß wir nun tatsächlich erreicht haben, was so lange Jahre hindurch Gegenstand unseres Planens und Mühens gewesen ist. Ich brauche nicht zu sagen – und sowieso kann ich es brieflich nicht –, wie sehr wir Ihnen verbunden sind, nicht nur in Dankbarkeit, sondern auch in dem Bewußtsein der Gemeinsamkeit des Zieles und des Erfolgs.“ Schon zuvor hatte er eine persönliche Nachricht an Bauer geschickt – zweieinhalb Stunden bevor Ben Gurion vor dem israelischen Parlament bekannt gab, dass Eichmann sich in israelischem Gewahrsam befand. Der hessische Generalstaatsanwalt selber sprach öffentlich nie über seine Rolle, zollte den israelischen Geheimdienstlern jedoch „grenzenlose Annerkennung für die Art, wie sie am 21. März 1960, dem silbernen Hochzeitstag Eichmanns, die wahre Identität des angeblichen Ricardo Klement ermittelten.“

Nach Eichmanns Festnahme erklärte Bauer bei einer Besprechung im hessischen Justizministerium, dass er einen Auslieferungsantrag für geboten und dessen Erfolg, „insbesondere im Falle einer deutsch-israelischen Spezialvereinbarung, nicht für unwahrscheinlich halte“. Das Ministerium erhielt jedoch noch am selben Tag die Nachricht aus Bonn, dass kein solcher Antrag gestellt werde. Hannah Arendt schrieb in ihrem Prozess-Bericht: „Sein Antrag wurde nicht nur von Bonn abgelehnt, er wurde kaum zur Kenntnis genommen und von niemandem unterstützt.“ Für Bauer war dies eine Enttäuschung.

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Judenreferent Eichmann vor Gericht in Israel

Eichmann vor Gericht – das war vor dem Auschwitz-Prozess Dr. Bauers größter Erfolg zur Aufklärung der „Endlösung der Judenfrage“. Die Weltöffentlichkeit reagierte auf die Entführung Eichmanns zwiespältig. Argentinien rief den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an und einigte sich mit Israel im August 1960, den Fall als erledigt zu betrachten. Zum Teil wurde die Entführung verurteilt, zum Teil an ein Internationales Tribunal appelliert. Kaum jemand war in Kenntnis, dass es sich um einen Hauptkriegsverbrecher handelte, der Millionen verfolgte Juden und politische Gegner der Nazis in die Vernichtungslager deportiert hatte.

Gericht in Jerusalem, in der Mitte der
Vorsitzende Richter Moshe Landau
© Israel State Archive

Eine der wenigen Pressestimmen, die Israels Aktion für berechtigt hielt, las man in der Süddeutschen Zeitung. Unter der Überschrift „Eichmann und die Gerechtigkeit“ schrieb der Historiker Albert Wucher (1920-2010), der später als Prozessbeobachter nach Israel reiste, dass diesem Handlanger der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik kein Unrecht geschehe. Jedes Land der Erde hätte ihn ergreifen und aburteilen lassen müssen. Israel habe den Völkerrechtsbruch der Entführung in Kauf genommen, um in Nothilfe den Rechtsbrecher vor Gericht zu bringen – wie einen Seeräuber (so später der Staatsanwalt in seinem Plädoyer), den seit alters jedermann hätte gefangennehmen müssen.

Der Eichmann-Prozess, der zwischen dem 11. April und 15. Dezember 1961 vor dem Jerusalemer Bezirksgericht stattfand, ist vielfach erforscht worden, es gibt zahlreiche Bücher, Filme und Dokumentationen über das Verfahren. Am 1. Februar 1961 wurden dem Angeschuldigten die Belastungspunkte mitgeteilt und seinem Verteidiger, dem Kölner Rechtsanwalt Robert Servatius, das polizeiliche Vernehmungsprotokoll von über 3.000 Seiten und am Ende 1.600 Dokumenten übergeben. Etwas 100 Zeugen, die meisten Überlebende, wurde als "Beweismittel" zu dem Prozess geladen.

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Adolf Eichmann

Eichmann, 1906 in Solingen geboren, wuchs ab 1914 in Linz in Österreich auf. Er war als Vertreter einer Elektrofirma und einer Mineralölfirma in Oberösterreich, Salzburg und Nordtirol tätig, trat 1927 dem deutsch-österreichischen Frontkämpferbund bei und trat 1932 in die österreichische NSDAP und in die SS ein. Als diese 1933 in Österreich verboten wurden, ging Eichmann nach Bayern, wo er im Lager Lechfeld und später in Dachau eine militärische Ausbildung bei der SS absolvierte. Hier meldete er sich im Oktober 1934 zum SD nach Berlin. Zunächst arbeitete er als Hilfskraft im SD-Referat II 111, das unter anderem für den Aufbau einer „Freimaurerkartei“ zuständig war. Im Juni 1935 wurde Eichmann in das neu geschaffene Referat II 112 (Referat Juden) versetzt und war Sachbearbeiter für „Judenangelegenheiten“. In Zusammenarbeit mit der Gestapo intensivierte er die Vertreibung der Juden.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs leitete er in Wien zusammen mit seinem Stellvertreter Alois Brunner die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“, die die Ausplünderung und Vertreibung der Juden aus Österreich organisierte. Im März 1939 wurde er mit der Errichtung einer Auswanderungsbehörde nach demselben Modell in Prag beauftragt.

Eichmann vor Gericht in Jerusalem
© Israel State Archive

Ende 1939/Anfang '40 übernahm Eichmann die Leitung der zuvor von Heydrich eingerichteten Reichszentrale für jüdische Auswanderung in Berlin und wurde Leiter des Referats IV D 4 („Räumungsangelegenheiten und Reichszentrale für jüdische Auswanderung“) beim RSHA in Berlin. Im Juli 1941 wurde Eichmanns Referat im Zuge einer Umstrukturierung des RSHA und in Folge des Auswanderungsverbots für Juden (Herbst 41) in IV B 4 („Juden- und Räumungsangelegenheiten“) umbenannt. Als Leiter des Referats war Eichmann für die Organisation der Deportationen aus Deutschland und den besetzten Ländern zuständig, er besorgte die Eisenbahnzüge. Er war somit ein Hauptverantwortlicher für die Enteignung, Deportation und Vernichtung von über 6 Millionen Juden.

Als Deportationsspezialist war er auch bei der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 anwesend, wo er als Protokollführer fungierte. Die Konferenz sollte System in die anfänglich weitgehend ungeordneten Gewalttätigkeiten bringen. Eichmann organisierte fortan die „Evakuierung der Juden nach dem Osten“ (Wortlaut des Protokolls) in großem Maßstab. Sein Auftrag lautete: „Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa von Westen nach Osten durchgekämmt“. Nach dem Reichsgebiet zunächst Frankreich, Holland, Belgien, Slowakei, Jugoslawien, Rumänien, Bulgarien… Ab 1944 organisierten Eichmann und sein „Sondereinsatzkommando“ die Deportation der Juden Ungarns nach Auschwitz - binnen sieben Wochen mehr als 400.000 Menschen. Gleichzeitig verhandelte er im Auftrag Himmlers gemeinsam mit dem SS-Führer Kurt Becher mit dem jüdischen Hilfskomitee in Budapest über den Freikauf jüdischer Gefangener. 

Vor dem Jerusalemer Gericht verteidigte sich Eichmann mit der stereotypen Behauptung, nur seine Pflicht erfüllt und "auf Befehl" gehandelt zu haben. In einer der aufschlussreichen Befragungen durch den Hauptankläger Gideon Hausner (1915-1990) fragte dieser schließlich empört nach: „Dann waren Sie also nur ein Trottel?“ Was sich der ehemalige SS-Obersturmbannführer nicht zweimal sagen ließ und derartig provoziert seine „schöpferische“ Leistung herausstellte. In seinem Bekenntnis in Argentinien gegenüber dem SS-Kumpan Willem Sassen, das dem Gericht zugänglich war, hatte er unter anderem erklärt: „Ich war kein normaler Befehlsempfänger, dann wäre ich ein Trottel gewesen, sondern ich habe mitgedacht, ich [bin] ein Idealist gewesen.“ (3)

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"Wo keine Verantwortung, ist auch keine Schuld", rechtfertigte sich Eichmann

   
Diagramm 1 von Eichmann
© Israel State Archive
  Diagramm 2 von Eichmann
© Israel State Archive
  Diagramm 3 von Eichmann
© Israel State Archive 


Während der ehemalige SS-Obersturmbannführer sich im Gefängnis auf seinen Prozess vorbereitete, zeichnete er zahlreiche Diagramme, die seine untergeordnete Funktion bei der "Endlösung der Judenfrage" beweisen sollten. Immer berief er sich darauf, nur seine "Pflicht" getan zu haben und stellte seine Tätigkeit als " Befehlsempfänger" an unterster Stelle der SS-Hierarchie heraus. In Wirklichkeit war er einer der Macher, ein effektiver Bürokrat, der entscheidend an der Realisierung des Völkermords mitwirkte.

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Befragung Eichmanns durch Hauptmann Avner Less

Neun Monate ermittelte die israelische Anklagebehörde gegen Eichmann. (4) Neun Monate, in denen der Gefangene Eichmann in seiner Zelle um sein Leben schrieb. Er verfasste eine umfassende Rechtfertigung unter dem Titel „Götzen“ sowie seitenlange Kommentare und Korrekturen zu dem Verhör, dem er von Hauptmann Avner Less (1916-1987) unterzogen wurde. Seine letztendlich unlesbaren Aufzeichnungen dienten immer nur dazu, sich in ein besseres Licht zu rücken und von aller Schuld freizusprechen. Eichmann wollte, wie er es immer getan hatte, sein Leben durch Kadavergehorsam retten, indem er dem Gericht höchste Kooperationsbereitschaft signalisierte.

Die Rechtfertigungsschrift, die Eichmann im Gefängnis verfasste, legte der Leiter des israelischen Staatsarchivs in Jerusalem, Professor Evyatar Friesel, der Historikerin Dr. Irmtrud Wojak zur Begutachtung vor, als sie Ende der 1990er Jahre auf den Spuren Fritz Bauers die Akten dort auswertete. Der Text, den man jahrelang unter Verschluss hielt, wurde später in digitalisierter Form im Internet zugänglich gemacht. Inhaltlich sagt er wenig aus, schließlich wusste Eichmann, dass es jetzt um's Leben ging. Von größerer Bedeutung für die Forschung ist das so genannte "Sassen-Interview" in Argentinien. Da fühlte Eichmann sich noch sicher und ließ seinem Nationalismus und Antisemitismus, seinem bürokratischen Denken freien Lauf. Hauptmann Less konfrontierte Eichmann, offenbar ohne dass es diesem klar, im Verhör mit dessen eigenen Worten.

Das Verhör durch Avner Less dauerte rund 275 Stunden. Es wurde wie das "Sassen-Interview" auf Tonband aufgenommen und transkribiert, dem Gericht wurden rund 3000 Seiten Text vorgelegt. Die Transkripte des Verhörs wurden Eichmann zur Korrektur gegeben, er machte zahlreiche handschriftliche Anmerkungen, teilweise "verbesserte" er den Text.

Der Journalist und Publizist Jochen von Lang (1925-2003) publizierte später Auszüge aus diesen Transkriptionen. (5) Anders als die Gefängnisniederschrift "Götzen" ist das Verhör jedoch bisher nicht digitalisiert worden, und die Forschungsliteratur bezieht sich selten auf die Befragung Eichmanns durch Avner Less. Der Staatsanwaltschaft diente sie als wichtige Grundlage für die Anklageerhebung.

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Der Historiker Dr. Albert Wucher berichtete 1961 vom Eichmann-Prozess

   
Schwäbische Zeitung
18. April 1961
  Schwäbische Zeitung
20. April 1961
  (Münchner) Abendzeitung
15. Juni 1961
       
   
Schwäbische Zeitung
20. April 1961
  Süddeutsche Zeitung
20. April 1961
  Süddeutsche Zeitung
24./25. Juni 1961

Einige der Artikel erschienen unter einem Pseudonym.
Dr. Albert Wucher war als Prozessbeobachter für die Süddeutsche Zeitung in Jerusalem.

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Anklage gegen Adolf Eichmann

DER SPIEGEL 16 (1961)
12. April 1961
Titelstory zum Eichmann-Prozess

Hauptankläger Generalstaatsanwalt Gideon Hauser (1915-1990) erhob am 21. Februar 1961 in 15 Punkten Anklage gegen Adolf Eichmann. Der Spiegel schrieb ziemlich theatralisch: "Die Anklageschrift brachte die nationalsozialistische Endlösung auf kühle Formeln - etwa "Massenmord an Juden", "Indirekte physische Vernichtung von Juden", "Unfruchtbarmachung von Juden", "Beraubung von Juden". Der Ankläger selbst aber besitzt die Leidenschaft, die Wunden der jüdischen Passion im Gerichtssaal noch einmal bluten zu lassen." Das Magazin widmete der Prozess-Eröffnung eine Cover-Story.

Die Anklage erging in vier Punkten wegen 
Verbrechen gegen das jüdische Volk

1. Verursachung des Todes von Millionen von Juden durch Vernichtungslager, Einsatzgruppen, Arbeitslager, Konzentrierung und Massendeportationen,
2. Schaffung von Lebensbedingungen für Millionen von Juden, durch die diese physisch vernichtet werden sollten,
3. Verursachung schwerer körperlicher und seelischer Schäden für Millionen von Juden in Europa,
4. Vorbereitung von Maßnahmen für die Sterilisation der Juden, um Geburten von Juden zu verhindern.

In sieben Punkten erging die Anklage wegen
Verbrechen gegen die Menschlichkeit:

5. Verursachung der Ermordung, Vernichtung, Versklavung und Deportation der jüdischen Bevölkerung,
6. Verfolgung von Juden aus nationalen, rassischen, religiösen und politischen Motiven, 
7. Durchführung der Ausplünderung von Juden durch unmenschliche Maßnahmen, einschließlich Raub, Zwang, Terror und Quälerei,
9. Deportation einer halben Million Angehöriger der polnischen Zivilbevölkerung von ihren Wohnorten mit der Absicht, an ihrer Stelle Deutsche anzusiedeln,
10. Deportation von 14.000 Angehörigen der slowenischen Zivilbevölkerung von ihren Wohnorten mit der Absicht, an ihrer Stelle Deutsche anzusiedeln,
11. Deportation von Zehntausenden Roma, sowie ihre Zusammentreibung, Transportierung und Ermordung in den Vernichtungslagern,
12. Deportation von ungefähr 100 Kindern aus der Zivilbevölkerung des Dorfes Lidice in der Tschechoslowakei und ihr Transport nach Polen zum Zwecke der Vernichtung.

In einem, dem 8. Punkt, erging die Anklage wegen
Kriegsverbrechen:

8. Misshandlung, Deportation und Ermordung von Juden,

und in drei weiteren Anklagepunkten erging die Anklage wegen
Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation:

13. Mitgliedschaft in der SS,
14. Mitgliedschaft im Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS,
15. Mitgliedschaft in der Gestapo.

Das Urteil

Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der die „Endlösung“ mitplante und durchführte, der Millionen Menschen in die Vernichtungslager deportierte, wurde mit dem Urteilsspruch vom 11. bis 15. Dezember 1961 zum Tode verurteilt und – nach Ablehnung seiner Berufungsklage – im Mai 1962 gehenkt, seine Asche außerhalb der israelischen Hoheitsgewässer ins Mittelmeer verstreut. Das Gericht vertrat die Auffassung, das Eichmann sich weder auf Befehlsnotstand noch darauf berufen konnte, lediglich Befehle ausgeführt zu haben, sondern willentlich an der „Endlösung“ mitgewirkt hat.

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"Eichmanns Memoiren"

Eichmann bereute nichts. Das Interview, das sein SS-Kumpan Willem Sassen mit Eichmann in Argentinien auf Tonband aufnahm, ist hierfür die entscheidende Quelle. Nicht die Ursachen des Völkermords, aber die persönlichen Motive Eichmanns für seine Mitwirkung an der Ermordung der Juden und der als rassisch minderwertig diskriminierten Bevölkerungsgruppen erschließen sich daraus. Im Grunde war das wochenlange Verhör durch den israelischen Polizeihauptmann Avner Less nicht mehr notwendig, Eichmann hatte schon längst alles gesagt.

Sein "Beichtvater" Sassen konnte aber nicht als Zeuge vor Gericht geladen werden: die Israelis hätten ihn verhaften und ebenfalls anklagen müssen. So diente das Verhör dazu, Eichmanns entscheidende Rolle bei der Durchführung der "Endlösung" nochmals genauestens zu dokumentieren. Dass es dabei nicht blieb, ist Eichmanns Rechtfertigungszwang und seiner daraus resultieren Schreibwut zu verdanken. Er nutzte die Zeit in seiner Zelle, um eine über 1000seitige Rechtfertigung zu verfassen. Dieses öfters als "Eichmanns Memoiren" bezeichnete Manuskript, dem Eichmann den Titel "Götzen" gabwurde zusammen mit den Sassen-Tonbändern Ende der 1990er Jahre erstmals ausgewertet, die Ergebnisse 2001 publiziert. (6)

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"Götzen" nannte Eichmann seine Rechtfertigungsschrift im Gefängnis (1961)

   
"Götzen", Eichmanns Rechtfertigungsschrift, Beginn
© Israel State Archive
  "Götzen", Eichmanns
Rechtfertigungsschrift, S. 1
© Israel State Archive
  "Götzen", Eichmanns
Rechtfertigungsschrift, S. 2
© Israel State Archive


Interview von Willem Sassen mit Eichmann in Argentinien

Willem Sassen (1918-2001) war Mitglied der niederländischen SS-Legion, deren Soldaten als nationale Gefechtseinheiten in der Waffen-SS an der Ostfront kämpften. Er bereiste als SS-Kriegsberichterstatter das von den Nationalsozialisten besetzte Europa. Zu Kriegsende wurde er von den Alliierten in der Nähe von Utrecht interniert. Nach einer abenteuerlichen Flucht gelangte er nach Antwerpen, wo er sich als Jude ausgab und behauptete, dass seine Familie in Auschwitz umgekommen sei. Ein Militärtribunal in Belgien ermittelte schließlich Sassens wahre Identität. Er wurde abgeschoben, gelangte jedoch mit Hilfe gefälschter Papiere im September 1948 nach Argentinien. Auch Sassen arbeitete zunächst für die CAPRI. Dann wurde er Südamerikakorrespondent des Magazins DER STERN, das sein Freund Henri Nannen, der ebenfalls als Kriegsberichterstatter an der Ostfront gewesen war, gerade gegründet hatte.

Cover der Neuauflage 2014

Der ehemalige SS-Offizier machte rasch Karriere. Wilfried von Oven, vormals Pressereferent im Reichspropagandaministerium, machte Sassen mit Eberhard Fritsch bekannt, der Eigentümer des Dürer-Verlags und Herausgeber der Zeitschrift Der Weg war, wo Sassen als Redakteur Anstellung fand. Verlag und Zeitschrift hatten sich zu Bezugspunkten für NS-Kreise entwickelt, unter denen es zahlreiche von den Alliierten als Kriegsverbrecher gesuchte Nazis gab. Frühzeitig wusste man in dieser Gemeinde von der Ankunft des ehemaligen Lagerarztes des KZ Auschwitz, Dr. Josef Mengele. Und auch mit dem ehemaligen Leiter des Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt Eichmann hatte man engeren Kontakt. Sassen organisierte „Kameradschaftsabende“ und veröffentlichte in der unverhohlen antisemitischen Zeitschrift Der Weg mehrere Artikel, bis diese nach der Entmachtung Peróns eingestellt wurde.

Für Sassen endeten damit die goldenen Zeiten in Argentinien. Nachdem er es bis zum Berater für Öffentlichkeitsarbeit bei Evita Perón gebracht hatte, musste er sich nach dem Sturz des Diktators um neue Arbeit bemühen. In diese Zeit fiel das Übereinkommen mit Eichmann, ein Buch zu schreiben, das anonym publiziert werden sollte. Das erste Interview wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1956 aufgezeichnet. Am Ende bewahrte Sassen die Tonbänder und ein von Eichmann korrigiertes Transkript in seinem Haus auf – bis kurz vor Eichmanns Entführung im Frühjahr 1960.

Das Sassen-Interview ist eine Ton-Quelle, von der es Transkriptionen in verschiedenen Archiven gibt, keine ist eine wortgetreue Abschrift. Es gibt weder das ursprüngliche Tonband-Interview, noch weiß man genau, wieviele Bänder aufgenommen wurden, mit denen die Transkripte verglichen werden müssten, um festzustellen, wie genau die Abschriften sind. Das Sassen-Interview ist von daher eine "unzuverlässige" Quelle. Auch sind die Personen, die den Text transkribierten, nicht bekannt. Ebenso, mit welcher Absicht die verschiedenen Versionen zustande kamen und ob es noch weitere gibt. Bekannt ist ein Exemplar aus dem Nachlass von Thomas Harlan, ein Exemplar im Bundesarchiv im Nachlass von Eichmanns Verteidiger Servatius, eines im Archiv der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg sowie eines im Simon Wiesenthal Center in Wien. Das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main verfügt über eine Kopie des Exemplars aus dem Bundesarchiv, das Irmtrud Wojak nach ihrer Auswertung der Quelle dort abgab, das aber nicht öffentlich zugänglich ist, sondern im Bundesarchiv eingesehen werden muss.

Eichmann und Sassen trafen sich in zahlreichen Zusammenkünften, bei denen nicht wenig Alkohol floss. Nicht selten war der Deportationsspezialist empört, wenn Sassen die Schwierigkeiten, die er bei der Realisierung der „Endlösung“ zu überwinden hatte, und seine Leistung als "Judenreferent" nicht genügend würdigte. Eichmann äußerte sich als radikaler Antisemit und Nationalist, für den die Juden „Reichsfeinde“ waren. Er wollte die Nachwelt wissen lassen, dass er bei der Planung und Durchführung der Vernichtung "mitgedacht" hatte. Veröffentlicht werden sollte das Interview, wie Eichmann betonte, erst nach seinem Tod.

Sassen und Eichmann unterschied, dass ersterer gern den „Führer“ vom Makel der Judenvernichtung befreit hätte. Dass er damit bei Eichmann an den falschen Mann geraten war, machte dieser im Interview mehrfach deutlich. Sassens Herunterreden der Vernichtungszahlen stachelte den Deportationsspezialisten umso mehr an, sich genauer an die Details zu erinnern, an alle Hindernisse, die ihm in die Quere kamen bei seinem Ziel, die Juden abzutransportieren.

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 Auszug aus dem Sassen-Interview

„Ich bin nur ein kleiner Mensch“

„Daß ich, und ich sage es Ihnen jetzt zum Abschluß unserer Sachen, ich, der vorsichtige Bürokrat, der war ich, jawohl. Aber ich möchte die Sache ‚vorsichtiger Bürokrat’ etwas zu meinen Ungunsten erweitern. Zu diesem vorsichtigen Bürokraten gesellte sich ein fanatischer Kämpfer für die Freiheit meines Blutes, dem ich anstamme. […]

Eichmann vor Gericht in Jerusalem
© Israel State Archive

Was meinem Volke nützt, ist für mich heiliger Befehl und heiliges Gesetz. Jawohl. Und jetzt will ich Ihnen sagen, zum Abschluß dieser ganzen Platten, wir sind ja bald zu Ende, muß ich Ihnen erstens sagen: Mich reut gar nichts. Ich krieche in keinster Weise zu Kreuze. Die vier Monate, in denen wir jetzt so hier die Sachen aufgenommen haben, in den vier Monaten, in denen Sie sich bemühten, mein Gedächtnis aufzufrischen, sehr vieles davon wurde aufgefrischt, es wäre zu leicht und ich könnte ja es billig machen […], daß ich es zutiefst bedaure, daß ich gewissermaßen etwa spiele, daß aus einem Saulus ein Paulus würde.

Ich sage Ihnen, Kamerad Sassen, das kann ich nicht. Das kann ich nicht, weil ich nicht bereit bin, weil sich mir das Innere sträubt etwa zu sagen, wir hätten etwas falsch gemacht. Nein. Ich muß Ihnen ganz ehrlich sagen, hätten wir von den 10,3 Millionen Juden, die Korherr ausgewiesen hat, wie wir jetzt wissen, 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet. Nun durch des Schicksals Tücke der Großteil dieser 10,3 Millionen Juden am Leben erhalten geblieben sind, sage ich mir, das Schicksal wollte es so. Ich habe mich dem Schicksal und der Vorsehung unterzuordnen.

Ich bin nur ein kleiner Mensch und habe dagegen nicht anzustinken, ich kann’s auch nicht, ich will es auch gar nicht. Unsere Aufgabe für unser Blut und für unser Volk und für die Freiheit der Völker hätten wir erfüllt, hätten wir den schlauesten Geist der heute lebenden menschlichen Geister vernichtet. Denn das ist’s, was ich Streicher sagte, was ich immer gepredigt habe, wir kämpfen gegen einen Gegner, der durch viel viel tausendjährige Schulung uns geistig überlegen ist. […] Und aus diesen Erkenntnissen kämpfte ich ja gegen diesen Gegner. Und aus diesen Motivierungen heraus müssen Sie verstehen, wenn ich sage, wenn 10,3 Millionen dieser Gegner getötet worden wären, dann hätten wir unsere Aufgabe erfüllt. Nun es nicht so ist, werde ich Ihnen sagen, daß das Leid und das Ungemach unsere noch nicht Geborenen zu bestehen haben. Vielleicht werden sie uns verfluchen. Allein, wir konnten als wenige Leute gegen den Zeitgeist nicht anstinken. Wir haben getan, was wir konnten.

Selbstverständlich, muß ich Ihnen sagen, kommt dazu menschliche Regung. Auch ich bin nicht frei gewesen davon, auch ich unterlag der selben Schwäche, das weiß ich, auch ich bin schuld mit daran, daß die vielleicht von irgendeiner Stelle vorgesehene oder mir vorgeschwebte Konzeption der wirklichen, umfassenden Eliminierung nicht durchgeführt hat werden können. Ich erzählte Ihnen das in kleinen Beispielen. Ich war ein unzulänglicher Geist und wurde an eine Stelle gesetzt, wo ich in Wahrheit mehr hätte machen können und mehr hätte machen müssen.

Als Entschuldigung mag dienen, was ich Ihnen sagte, einmal daß es mir an umfassendem Geist fehlte, als zweites mag dienen, daß es mir an der nötigen physischen Härte fehlte, und als drittes mag gelten, daß sich selbst gegen mein Wollen eine Legion von Leuten einfand, die selbst gegen dieses Wollen wiederum anstanken, so daß ich, der ich selbst schon mich gehandikapt fühlte, auch den Rest, dem ich etwa zum Durchbruch verholfen hätte, wiederum nur mit Abstrichen durchführen konnte, weil ich mich verzetteln mußte in einem jahrelangen Kampf gegen die sogenannten Interventionisten.

Das will ich Ihnen abschließend sagen. Ob Sie das in das Buch hineingeben, weiß ich nicht, vielleicht ist es gar nicht opportun, vielleicht sollten wir das auch gar nicht, ich will damit nur Ihnen das Fazit sagen, das ich nach all diesen Monaten nun mehr gedächtnisauffrischend übernommen habe und zu dem es mich drängt, Ihnen es auch zu sagen.“ (7)


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Der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Albert Wucher, zieht Bilanz

   
Süddeutsche Zeitung
17. August 1961
  Süddeutsche Zeitung
12. Dezember 1961
  Süddeutsche Zeitung
30./31. Mai 1962

 

"Gewissenhaftes Werkzeug der Gewissenlosigkeit"

Im Sassen-Interview verbarg Eichmann sich nicht, sondern zeigte, wer er war: ein radikaler Antisemit und Nationalist, für den die Juden „Reichsfeinde“ waren. Er wollte die Nachwelt wissen lassen, dass er mitgedacht hatte, bei der Planung und Durchführung der Vernichtung. Wie ein Nationalsozialist denkt und agiert, welche bis zum äußersten gehende Brutalität damit verbunden war, das wird aus dem Interview deutlich. Wer in der Lage ist, sich darauf einlässt und Eichmann nicht bloß als "Pflichtmensch" in eine Opferrolle schiebt, der findet hier alle Eigenschaften radikaler Nazis.

Das Sassen-Interview belegt, dass Eichmann ein Verbrecher war, der seine Tatorte vorab gründlich inspizierte. Er fuhr an die Stätten der Vernichtung, in die Konzentrations- und Vernichtungslager, bevor er wieder und wieder zur Tat schritt und die Menschen dorthin transportieren ließ. Er überlegte sich genau, wie er möglichst viele Opfer abtransportieren lassen konnte, um sein „Soll“, die ihm bekannten Zahlen, zu erfüllen. Ab und an ging er auch darüber hinaus, wie im Falle der Deportation von 400.000 ungarischen Juden einkürzester Zeit aus dem besetzten Budapest.

Der Prozessbeobachterer Süddeutschen Zeitung erkannte in Eichmann den Verbrecher als solchen. Albert Wucher brachte dies auf den Punkt: "Eichmann war ein gewissenhaftes Werkzeug der Gewissenlosigkeit". Er publizierte eines der ersten Bücher über Eichmann und die "Endlösung der Judenfrage". (8)

Als 1999 bekannt wurde, dass Eichmanns angebliche Memoiren, die Rechtfertigung "Götzen", publiziert werden sollten, entbrannte darüber eine Kontroverse in der Presse. Es stellte sich heraus, dass nur die Wenigstens wussten, wieviele "Eichmann Memoiren" es gibt und dass der Verbrecher wochenlang nichts anderes tat, als seine Untaten aufs Papier zu bringen, um sich davon freizusprechen. DIE WELT konnte es sich dennoch nicht versagen, eines der Manuskripte Eichmanns in Serie zu publizieren. Immer wieder sind die Schriften von Nazi-Tätern gut für Aufmacher, um die Auflagen von Magazinen und Zeitungen zu erhöhen.

So machte in jüngster Zeit das Münchner Institut für Zeitgeschichte Hitlers "Mein Kampf" zu einem Bestseller. Die erste Auflage dieser mit 5000 Fußnoten versehenen Ausgabe war nach wenigen Tagen vergriffen. Was wir und vor allem Jugendliche aus diesen Publikationen von Nazi-Schriften lernen sollen oder können? Es bleibt ein Rätsel, aber den NS-Tätern wird auf diese Weise eine völlig unangebrachte wissenschaftliche Aufwertung ihres Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus zuteil, was gewiss nichts Gutes bedeutet. 

Nachspiel: Streit um die Publikation von "Eichmanns Memoiren" 1999

       
Eichmann-Interview
1950er Jahre
  Berliner Zeitung
14./15. August 1999
  Frankfurter Allgemeine Zeitung
14./18. August 1999

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Anmerkungen und Literatur

(1) Ausführlicher ist die hier zusammengefasste Geschichte der Entführung Eichmanns und des Nachspiels nachlesbar in: Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. Frankfurt/M.: Campus, 2001, S. 191ff. (Neuauflage 2014) sowie in Irmtrud Wojak, Fritz Bauer (1903-1968). Eine Biographie. München: BUXUS EDITION, 2016 (Original C.H. Beck, 2009).
(2) Interview von Irmtrud Wojak mit Haim Cohn, Jerusalem, 7.1.1997 (Transkription: I. Wojak).
(3) Vgl. Wojak, Eichmanns Memoiren (wie Anm. 1). Zur Vita Eichmanns siehe auch David Cesarani, Adolf Eichmann – Bürokrat und Massenmörder. Berlin, München: Propyläen, 2004 (Original 2002).
(4) Avner Less, geboren 1916 in Berlin, gestorben 1987 in Zürich und seine Frau Vera (geborene Gonsiorowski), die 1912 in Hamburg geboren wurde und 1980 in Zürich starb, wurden im Mai 2014 auf dem Friedhof Berlin Wannsee gemeinsam beigesetzt. Eine Biographie von A. Less gibt es bislang nicht.
(5) Jochen von Lang, ed., in collaboration with Claus Sibyll. Eichmann Interrogated: Transcripts from the Archives of the Israeli Police. Translated from the German by Avner W. Less. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1983; Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre. Wien 1991 (Berlin: Propyläen, 2001). Siehe auch im Internet: http://www.nizkor.org/ftp.cgi/people/e/eichmann.adolf/eichmann.006 (abgerufen am 23.2.2015).
(6) Vgl. Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. Frankfurt/M.: Campus, 2001.
(7) Nachlass Eichmann, Bundesarchiv, N 1497, Tonbandinterview Wilhelm Sassen mit A. Eichmann, um 1955, DAT 1747 / X/C (Forts.) + D, 6:44ff. und K X/C (Forts.), 408ff. und 692ff., K X / C (Forts.)+D, ab 0ff. Vgl. Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. Frankfurt/M.: Campus, 2001, passim.
(8) Albert Wucher, Eichmanns gab es viele. Ein Dokumentarbericht über die Endlösung der Judenfrage. München: Droemer/Knaur, 1961.

* * *

Zvi Aharoni und Wilhelm Dietl, Der Jäger. Operation Eichmann: Was wirklich geschah. Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt, 1996.

David Cesarani, Adolf Eichmann – Bürokrat und Massenmörder. Berlin, München: Propyläen, 2004.

“Eichmann’s Ghost Writer. A Dutch friend in the Argentine”, in: Wiener Library Bulletin, Vol. XV, (1961), Nr. 1, S. 2.

Tuviah Friedmann, Die „Ergreifung“ Eichmanns, o. Seitenzahl (Eigendruck).

Isser Harel, The House on Garibaldi Street. The Capture of Adolf Eichmann. London: Corgi Books, 1975.

Stan Lauryssens, De fatale vriendschappen van Adolf Eichmann. Leuven: Van Halewyck, 1998.

Holger M. Meding, Flucht vor Nürnberg? Deutsche und österreichische Einwanderung in Argentinien 1945-1955. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 1992.

Jochen von Lang, Das Eichmann-Protokoll. Tonbandaufzeichnungen der israelischen Verhöre. Wien 1991 (Berlin: Propyläen, 2001).

Jochen von Lang, ed., in collaboration with Claus Sibyll. Eichmann Interrogated: Transcripts from the Archives of the Israeli Police. Translated from the German by Avner W. Less. New York: Farrar, Straus & Giroux, 1983.

Robert Pendorf, Mörder und Ermordete. Eichmann und die Budenpolitik des Dritten Reiches. Hamburg: Rütten & Loening, 1961.

Gerald L. Posner und John Ware, Mengele. Die Jagd auf den Todesengel. Berlin: Aufbau, 1993.

Tom Segev, Die Siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung. 1. Aufl. Reineck bei Hamburg: Rowohlt, 1995 (Orig. hebräisch 1991).

State of Israel, Ministry of Justice, The Trial of Adolf Eichmann. Record of Proceedings in the District Court of Jerusalem. Vol. IV. Jerusalem 1993.

Michael Wildt (Hrsg.), Die Judenpolitik des SD 1935 bis 1938. Eine Dokumentation. München: Oldenburg, 1995.

Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay. Frankfurt am Main: Campus, 2001 (Neuauflage 2014).

Irmtrud Wojak, Fritz Bauer (1903-1968). Eine Biographie. München: BUXUS EDITION, 2016 (Original 2009).

Albert Wucher, Eichmanns gab es viele. Ein Dokumentarbericht über die Endlösung der Judenfrage. München: Droemer/Knaur, 1961.
 

Weblinks

Eichmann, Adolf, "Götzen", hrsg. vom Israelischen Staatsarchiv: http://www.archives.gov.il/NR/rdonlyres/F02B50C1-2CF5-4605-983B-693B2E862C38/0/Eichmemo2abseng.pdf (zuletzt abgerufen 30.09.2015)

Dank

Ich danke Professor Dr. Evyatar Friesel, der mir als damaliger Leiter des Israelischen Staatsarchivs 1999 Eichmanns im Gefängnis niedergeschriebene Aufzeichnungen "Götzen" und andere Quellen zuerst zugänglich machte, so dass ich sie mit dem Sassen-Interview vergleichen konnte. Erst dadurch wurde mir klar, welche Bedeutung das Interview für eine quellenkritische Auseinandersetzung mit dem Täter Eichmann hat, der nie etwas anderes getan hat, als sich zu rechtfertigen und in ein günstigeres Licht zu rücken. Das Sassen-Interview und die Aufzeichnung "Götzen" werden, wie Hitlers "Mein Kampf", als historische Quellen überschätzt. In diesen Unwerken sind keine Wahrheiten zu entdecken. Es sei denn, man vertritt die Meinung, aus den inhumanen Motiven und Denkmustern von Verbrechern ließe sich etwas lernen. Im Hinblick auf die Ursachen von Rassismus, Antisemitismus und Genozid sind solche Schriften eine Mahnung, dass es in unserer Verantwortung liegt, Bedingungen zu schaffen, dass Menschen nicht zu Mördern und Mordgehilfen werden. Irmtrud Wojak, Dezember 2015.

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