FRITZ BAUER - DIE BIOGRAPHIE

 

 

„Wir sollen unseres Bruders Hüter sein, das scheint mir die Aufgabe eines demokratischen und sozialen und menschenwürdigen Rechts. Das wäre die Menschenliebe, von der die Religionen sprechen."

Fritz Bauer


NEUAUFLAGE 2016

JETZT BESTELLEN...
28,00 Euro

ISBN 9 783981 761405

 



„Nichts gehört der Vergangenheit an"

Zur Neuauflage der Fritz-Bauer-Biographie von Irmtrud Wojak

Von Kurt Nelhiebel


Als die Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre von den Verbrechen, die im Nationalsozialismus verübt worden waren, eingeholt und die Frage nach den Wurzeln des Bösen gestellt wurde, das Auschwitz zur Folge hatte, herrschte Alarmstimmung bei den vielen Mittätern, die unbestraft geblieben waren und als frisch lackierte Demokraten die Geschicke der Bundesrepublik mitbestimmten. Es waren vornehmlich die Widerstandskämpfer, die aus den Konzentrationslagern oder dem Exil zurückgekehrten Gegner und Opfer des Naziregimes, die auch eine personelle Abkehr vom Ungeist des Nationalsozialismus als Voraussetzung für eine demokratische Erneuerung verlangten. Damit störten sie das Wohlbefinden einer Gesellschaft, die die NS-Vergangenheit hinter sich gelassen hatte, sich im Glanz eines „Wirtschaftswunders“ sonnte und ihre Rolle als Verbündeter des Westens im Kampf gegen den Kommunismus genoss.

Zu diesen „Störenfrieden“ gehörte Fritz Bauer, der als Generalstaatsanwalt das NS-Regime vor Gericht als Unrechtsstaat entlarvte und die Widerstandskämpfer vom Makel des vermeintlichen Landesverrats befreite. Mit dem Auschwitz-Prozess wollte er dem Vergessen für immer einen Riegel vorschieben und die Deutschen ermutigen, Nein zu sagen, wann immer ihnen staatliches Unrecht begegnet. Diesem außergewöhnlichen Menschen hat die Historikerin Irmtrud Wojak mit ihrer Fritz-Bauer-Biografie einen ehrenvollen Platz in der deutschen Geschichte gesichert. Es trifft sich gut, dass die Neuauflage ausgerechnet zur selben Zeit erscheint, da Hitlers Machwerk „Mein Kampf“ die deutsche Bücherlandschaft verschmutzt und den Unbelehrbaren als legales Aufputschmittel zur Verfügung steht.

Eine Biographie mit Spürsinn nannte die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, die wissenschaftliche Arbeit von Irmtrud Wojak, an der sich alle anderen Lebensbeschreibungen messen lassen müssen, auch die jüngsten Spielfilme, in denen Fritz Bauer als Karikatur seiner selbst gezeichnet wird. Spürsinn bewies die Verfasserin insbesondere dadurch, dass sie die Essenz des Lebens von Fritz Bauer herausarbeitete, seine Liebe zu den Menschen, seinen unbeugsamen Willen im Kampf gegen das Unrecht, sein Eintreten für eine Reform des Strafrechts, das im Hinblick auf die konkrete Tatschuld den Täter bestrafen, ihm dann aber die Chance der Sühne und der Reue geben und dem Verurteilten damit die Rückkehr in ein geregeltes Leben erleichtern sollte. Einen Juristen aus Freiheitssinn nennt sie ihn, einen Kämpfer für den Widerstand als Menschenrecht. Das hat nicht allen gefallen.

Sie wahre nicht genügend Distanz zu ihrem Gegenstand, hielt man ihr ausgerechnet im Fritz-Bauer-Institut vor, wo sie als stellvertretende Direktorin hinausgeekelt wurde. Bis heute wird ihre Biographie über den Namensgeber des Instituts von der wissenschaftlichen Einrichtung boykottiert, ein moralischer Bankrott aber auch ein politischer Skandal, denn das Institut wird aus öffentlichen Mitteln finanziert. Irmtrud Wojaks Bestreben als Gründungsdirektorin des so bezeichneten Münchner NS-Dokumentationszentrums, die Erinnerungskultur nicht auf das Gedenken an die Opfer zu beschränken, sondern auch die deutschen Widerstandskämpfer einzubeziehen und vor allem die Täter von einst mit Namen zu nennen, missfiel den Stadtoberen so sehr, dass sie ihr den Stuhl vor die Tür setzten, als fürchteten sie das Ungeheuer in der Seele des deutschen Volkes, das die Wahrheit fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser.

In gewisser Weise teilt Irmtrud Wojak das Schicksal Fritz Bauers, den die politische Klasse zu Lebzeiten am liebsten auf den Mond geschossen hätte, was ihre Repräsentanten bis zum heutigen Tag nicht daran hindert, sich bei Gelegenheit mit ihm zu schmücken und seinen Namen wie eine Tapferkeitsmedaille am Revers zu tragen. Jüngste Ausgeburt des alltäglichen Wahnsinns ist der Vorschlag, die kommentierte Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ als Unterrichtsmaterial an öffentlichen Schulen zu benutzen. Und die Fritz-Bauer-Biographie von Irmtrud Wojak ? Dabei könnten junge Menschen hier erfahren, worauf es ankommt in Zeiten wie diesen, da sich zu bewahrheiten scheint, was Fritz Bauer der Nachwelt auf den Weg gab: "Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden." 

Januar 2016


 

Pressestimmen und Kommentare zur Erstausgabe

"Ein aufrechter Jurist, eine Biographin mit Spürsinn."
Prof. Dr. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a.D., Präsidentin des Goethe Instituts a.D.

 

"2009 erschien eine exzellente, 638 Seiten umfassende Biographie von Irmtrud Wojak („Fritz Bauer 1903-1968“) und ein Jahr später der preisgekrönte Film „Tod auf Raten“ von Ilona Ziok. Diese hatte sich sieben Jahre mit der Person von Fritz Bauer befasst und Wojak zehn Jahre an ihrer Habilitationsschrift gearbeitet. Wojak war es auch, die die großartige Ausstellung des Fritz- Bauer-Instituts über den Auschwitz-Prozess kuratierte, die ab 2004 in Frankfurt/Main, Hannover, Berlin und München zu sehen war und dann leider entsorgt wurde. Sowohl Wojak als auch Ziok befinden sich im Besitz umfangreichen Materials von großem zeithistorischen Wert über Fritz Bauer."
Prof. Dr. Erardo C. Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg

 

„Am 30. Juni 1968 wird Bauer leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Die genauen Umstände seines Todes bleiben ungeklärt. Dass die Stadt Frankfurt ihren langjährigen Generalstaatsanwalt bis heute nicht mit einer Auszeichnung geehrt hat, sei dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister als dringliche Amtshandlung empfohlen. Bauer ist eine der großen Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Die Sozialdemokratie kann stolz auf ihn und sein Wirken sein.“
Anton Maegerle, Vorwärts.de, 12. April 2012.

 

„Enfin un biographie de Fritz Bauer, le juriste qui sut contrer en RFA la protection tacite des crimals nazis. On n’a jamais su avec certitude comment le procureur général Fritz Bauer est mort. Quelle que soit la cause de son décès, il est certain que le 30 juin 1968, n’ayant pas encore 65 ans, il est mort trop jeune. La lute qu’il avait dû mener pour forcer toutes les resistances, pour obliger toutes les instances les plus hostiles à ser plier à la justice avait forcément mine son organism. Fritz Bauer a été un home exemplaire, et d’un courage civique admirable.”
Jean Luc Bellanger, Mémoire, Nr. 849, Janvier 2011, S. 9f.

 

"Mehr als vierzig Jahre nach seinem Tod wird Fritz Bauer nun endlich die angemessene Würdigung zuteil. Im vorigen Jahr erschien Irmtrud Wojaks gründliche Biografie im C. H. Beck Verlag."
Eckhard Fuhr, Die Welt, 17. Februar 2010

 

"Irmtrud Wojak schließt diese Lücke nun auf eindrucksvolle Weise, durch die erste Biografie des großen Strafverfolgers Fritz Bauer. (...) Schon die anschauliche Schilderung des Lebens dieses aus Deutschland Vertriebenen – der Einblick in die Querelen, Eifersüchteleien und den täglichen Überlebenskampf der politisch aktiven Exilanten – lohnt die Lektüre dieses Buches. (...) Wojak zeichnet ein beklemmendes Bild der Nachkriegsatmosphäre. (...) Wojaks gut recherchierte und blendend geschriebene Biografie ist mehr als nur die Lebensgeschichte eines einzelnen Mannes – sie ist die Biografie einer Epoche nach der Katastrophe."
Jürgen Zimmerer, Literaturen, September 2009

 

"Jetzt hat er endlich jene biografische Würdigung erfahren, die längst überfällig war. (...) Wer die Biografien etwa von Willy Brandt oder Herbert Wehner nicht kennt, erfährt hier manches Neue und Überraschende über die Emigration in Skandinavien und die linke Opposition gegen Hitler. (...) Irmtrud Wojaks verdienstvolles Buch trägt hoffentlich dazu bei, dass Deutschland für Fritz Bauer nicht länger feindliches Ausland bleibt."
Hans-Martin Lohmann, Die Zeit, 18. Juni 2009

 

"Wie viel Engagement, Einfluss, auch Enttäuschung sich hinter solchen Daten verbirgt, macht Irmtrud Wojak in ihrer Biografie klar: Fritz Bauer 1903 – 1968 ist eine längst überfällige Würdigung des schwäbischen Humanisten, radikalen Aufklärers und politischen Juristen. (...) Ihr Kern: der Neuaufbau eines demokratischen Rechtswesens in Deutschland, einhergehend mit Aufklärung und Selbstaufklärung der Gesellschaft. (...) Nach der Lektüre dieser Biografie aber wissen wir, dass der sechzigste Geburtstag unserer Demokratie, die nicht zuletzt von der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit lebt, auch ihm zu verdanken ist."
Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur, 20. Mai 2009

 

Einfühlsam und kenntnisreich beschreibt sie darin die Geschichte eines Mannes, der sich die Verwirklichung der Menschenrechte und die Aufklärung über die Vergangenheit zur Lebensaufgabe gemacht hatte. (...) In ihrer Biographie über Fritz Bauer gelingt ihr nicht nur die Würdigung seines Lebenswerkes und ein eindrucksvolles Portrait. Vielmehr vermittelt sie ihren Lesern einen tiefen Einblick in die Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung. Dass sie dabei zugleich die Atmosphäre der westdeutschen Wirtschaftswunder-Gesellschaft und die Abwehrhaltung der Adenauer-Ära spürbar werden lässt, macht den vielschichtigen Charakter ihrer Studie aus. Eine glänzende und herausragende Biographie, der viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind."
Marlis Jos, SWR 2, 18. Mai 2009

 

"Aber für sie alle gilt, was Bauers Biografin Irmtrud Wojak über den spektakulärsten seiner Prozesse schreibt: ‘Die Bedeutung des Auschwitz-Prozesses lag und liegt zunächst einmal darin, dass er überhaupt zustande kam’."
Hannes Schwenger, Der Tagesspiegel, 6. April 2009

 

"Jetzt ist in einer exzellenten Biographie nachzulesen, welchen Beitrag Bauer zur Ehrenrettung der wenig ruhmreichen deutschen Justiz geleistet hat. Als Autorin zeichnet eine ausgewiesene Expertin: Irmtrud Wojak, 45. Die Historikerin, die sich durch ihre fundierte Forschung über die NS-Zeit einen Namen gemacht hat, wurde jüngst zur Gründungsdirektorin des NS-Dokumentationszentrums in München berufen."
Rolf Lamprecht, Süddeutsche Zeitung, 23. Februar 2009


Weitere Rezensionen und Kommentare
...   

 

nach oben 

 

Als sie noch jung waren, Fritz Bauer im Interview mit Renate Lasker-Harpprecht
WDR, 11. August 1967
Zum Film auf  YouTube
„Fritz Bauer auf die Frage, warum er aus der Emigration zurückgekehrt sei“
1. Programm, 20. Mai 1966
Zum Film auf  YouTube